Seenland · Biosphärenreservat
Biosphärenradeln: mit dem Rad durch das Biosphärenreservat
Zwischen dem Lausitzer Seenland und Bautzen liegt das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Radtouren durch das Reservat verbinden die jungen Seen mit einer Kulturlandschaft, die seit 700 Jahren von Teichwirtschaft geprägt ist – und in der Wölfe, Fischotter und Seeadler leben.
- 30.000ha
- Fläche des Reservats
- 1996
- UNESCO-Anerkennung
- 350+
- Teiche
Das Reservat
Die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft ist seit 1996 UNESCO-Biosphärenreservat – das einzige in Sachsen. Es umfasst rund 30.000 Hektar zwischen Hoyerswerda, Königswartha, Niesky und Boxberg. Prägend sind über 350 Fischteiche, die seit dem 13. Jahrhundert angelegt wurden, durchsetzt mit Kiefernwald, Binnendünen, Heide und Moor. Die Landschaft ist vollständig menschengemacht und dennoch eines der artenreichsten Gebiete Ostdeutschlands: Seeadler, Fischotter, Rotbauchunke und seit 2000 der Wolf leben hier.
Ein Biosphärenreservat ist kein Nationalpark. Es soll zeigen, wie Nutzung und Schutz zusammengehen: Die Teiche werden bewirtschaftet, das Holz genutzt, die Dörfer bewohnt. Für Radreisende bedeutet das ein dichtes Wegenetz auf Wirtschaftswegen – und einige Regeln.
Radtouren im Reservat
Der Froschradweg ist der Rundkurs des Reservats (260 km). Wer weniger Zeit hat, fährt eine der regionalen Rundtouren:
| Tour | Start | ca. km | Charakter |
|---|---|---|---|
| Teichrunde Wartha | Haus der Tausend Teiche, Wartha | 25 | Kernzonen-Ränder, Beobachtungstürme |
| Dubringer-Moor-Runde | Hoyerswerda | 30 | Moor, Elsteraue, Wittichenau |
| Königswartha–Neschwitz | Königswartha | 20 | Teichgruppen, Schlosspark |
| Seenland-Verbindung | Geierswalde | 35 | Vom Seenland ins Reservat und zurück |
Alle Touren sind eben und auf wassergebundenen Wegen oder Asphalt geführt. Sandpassagen kommen in den Kiefernwäldern vor.
Vom Seenland ins Reservat
Das Lausitzer Seenland grenzt im Westen an das Reservat; Hoyerswerda liegt zwischen beiden. Die Verbindung von Geierswalde über Hoyerswerda nach Wittichenau und zum Dubringer Moor ist eine Tagestour, die den Kontrast zeigt: erst die jungen, klaren Seen mit befestigten Ufern, dann die alten, flachen Teiche mit Schilfgürteln und Erlenbruch. Beide Landschaften sind vom Menschen gemacht – die eine in fünfzig, die andere in siebenhundert Jahren.
Beobachten
Das Haus der Tausend Teiche in Wartha ist das Besucherzentrum des Reservats mit Ausstellung und Karten. Beobachtungstürme stehen am Dubringer Moor, an den Teichen bei Deutschbaselitz und bei Guttau. Beste Zeiten sind der frühe Morgen und der Abend; im Frühjahr rufen die Rotbauchunken, im Herbst ziehen Kraniche und Gänse in Tausenden über die abgelassenen Teiche. Ein Fernglas gehört ins Gepäck.
Regeln
In den Kernzonen gilt Wegegebot; markierte Dämme dürfen nicht befahren werden. Hunde sind anzuleinen. Baden ist in den Fischteichen nicht erlaubt – die Badeseen liegen im Seenland. Drohnen sind im gesamten Reservat untersagt. Während der Abfischzeit im Oktober sind einzelne Dämme gesperrt; die Lausitzer Fischwochen in den Dorfgasthöfen sind der Ausgleich dafür.
Anreise
Hoyerswerda, Königswartha, Niesky und Lohsa haben Bahnanschluss. Fahrradverleih gibt es in Hoyerswerda und Wartha. Als Ausgangspunkt für Touren in beide Landschaften – Seenland und Reservat – ist Hoyerswerda am besten geeignet.
Die Teichwirtschaft als Landschaftsform
Die Teiche des Reservats sind keine Naturseen, sondern flache, ablassbare Becken mit Mönch und Damm, angelegt für die Karpfenzucht. Im Frühjahr werden sie bespannt, im Herbst abgelassen und abgefischt; dazwischen wachsen Schilf und Schwimmblattpflanzen, in denen Rohrdommel, Drosselrohrsänger und Fischotter leben. Radreisende sehen die Teiche je nach Jahreszeit völlig anders: im Mai als Wasserflächen mit Vogelinseln, im Oktober als Schlammflächen, auf denen Kraniche und Silberreiher nach zurückgebliebenen Fischen suchen. Die Fischereibetriebe verkaufen ab Hof; Karpfen, Zander und Schleie aus der Lausitz tragen seit 2005 eine geschützte Herkunftsbezeichnung.
Für Radreisende ist die Abfischzeit die interessanteste Reisezeit: Die Dämme sind belebt, an vielen Teichen kann zugesehen werden, wie die Netze gezogen und die Fische sortiert werden, und die Gasthöfe der Umgebung kochen Karpfen blau, gebacken oder als Filet in Leinöl.
Ausrüstung
Die Wege im Reservat sind überwiegend wassergebunden oder sandig, dazwischen kommen Plattenwege und kurze Kopfsteinpflasterstücke in den Dörfern. Ein Tourenrad mit breiteren Reifen ist die richtige Wahl, ein Rennrad die falsche. Ein Fernglas gehört in die Lenkertasche, denn die interessanten Vögel sitzen auf der anderen Seite des Teichs; eine Karte im Maßstab 1:50.000 ersetzt das Mobilfunknetz, das in den Heideabschnitten zwischen den Teichgruppen ausfällt. Trinkwasser sollte in den Dörfern aufgefüllt werden – auf den Dämmen gibt es weder Brunnen noch Gastronomie, und im Sommer sind die Strecken schattenlos.
Was ein Biosphärenreservat ausmacht
Ein Biosphärenreservat ist kein Nationalpark, und der Unterschied bestimmt, was Radfahrende hier erleben. Nationalparks schützen Natur möglichst ohne Nutzung; Biosphärenreservate schützen eine Kulturlandschaft samt der Wirtschaft, die sie erhält. Die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft ist dafür ein Musterfall: Ohne die Teichwirtschaft mit ihrem Ablassen, Besetzen und Abfischen gäbe es die Flachwasserzonen nicht, von denen Unken, Kraniche und Seeadler leben.
Die Fläche ist deshalb gestaffelt. In der Kernzone bleibt die Natur sich selbst überlassen; Wege sind wenige und das Verlassen ist untersagt. Die Pflegezone wird bewirtschaftet, mit Auflagen, und ist auf ausgewiesenen Wegen zugänglich. In der Entwicklungszone liegen Dörfer, Felder und Betriebe. Wer auf dem Rad unterwegs ist, bewegt sich meist in den beiden äußeren Zonen und berührt die Kernzone nur auf Dämmen, die dafür freigegeben sind.
Rücksicht als Fahrtechnik
Ein Reservat zu befahren ist weniger eine Frage der Vorschriften als der Fahrweise, und drei Punkte machen den Unterschied. Erstens das Tempo: Auf Dämmen zwischen Teichen fliehen brütende Vögel schon vor einem schnell heranfahrenden Rad; wer langsam und gleichmäßig fährt, sieht mehr und stört weniger. Zweitens die Stimme – Gespräche in normaler Lautstärke sind kein Problem, Rufe über den Teich hinweg sind es.
Drittens der Hund und die Kamera. Hunde bleiben an der Leine, weil Wasservögel Bodenbrüter sind; Beobachtung findet aus den Ständen und Schirmen statt, nicht durch Annäherung ans Nest. Wer im Oktober fährt, hält Abstand von den Fanggräben, in denen gearbeitet wird. Der beste Zeitpunkt für Beobachtung ist die erste Stunde nach Sonnenaufgang – dann ist auf den Wegen ohnehin niemand unterwegs, und das Licht liegt flach über dem Wasser.
Häufige Fragen
Was ist ein Biosphärenreservat?
Ein von der UNESCO anerkanntes Gebiet, in dem Naturschutz und menschliche Nutzung verbunden werden. Es ist in Kern-, Pflege- und Entwicklungszonen gegliedert; in den Kernzonen gilt Wegegebot, in den übrigen Zonen wird gewirtschaftet – hier vor allem Fischzucht.
Darf man im Biosphärenreservat überall Rad fahren?
Auf den ausgeschilderten Wegen ja. Die Kernzonen dürfen nicht verlassen werden, Dämme zwischen Teichen sind teilweise gesperrt. Der Froschradweg und die regionalen Rundtouren führen nur über freigegebene Wege.
Kann man Wölfe sehen?
Sehr selten. Die Lausitz ist seit 2000 Wolfsgebiet, die Tiere meiden Menschen. Häufiger sind Spuren auf Sandwegen. Das Wolfsbüro in Rietschen informiert über die Rudel und ihr Verhalten.