Gruppenreisen · Baustein
Stadtführung Bautzen – die Stadt der Türme einmal anders entdecken
Bautzen hat siebzehn Türme, tausend Jahre Geschichte, zwei Sprachen und ein Gefängnis, das zum Symbol wurde. Der Baustein stellt Stadtführungen zusammen, die über den Standardrundgang hinausgehen – mit Nachtwächter, Turmbesteigung, sorbischem Blick und Zeitgeschichte.
- 17
- Türme der Altstadt
- 1002
- erste urkundliche Erwähnung
- 1524
- Dom St. Petri wird Simultankirche
Warum Bautzen anders zeigen
Bautzen ist die Stadt, die die meisten Deutschen mit zwei Dingen verbinden: Senf und Gefängnis. Beides ist real, aber die Stadt ist mehr: die historische Hauptstadt der Oberlausitz, seit 1002 urkundlich, mit einer Altstadt auf einem Granitfelsen über der Spree, siebzehn Türmen und der Doppelrolle als Zentrum der sorbischen Kultur. Der Standardrundgang zeigt Markt, Dom und Ortenburg in 90 Minuten. Der Baustein „Bautzen einmal anders” stellt fünf Führungen zusammen, die tiefer gehen.
Fünf Führungen
| Führung | Dauer | Inhalt | Gruppengröße |
|---|---|---|---|
| Nachtwächterführung | 90 min | Altstadt bei Dunkelheit, Laterne, Geschichten von Bränden, Gericht und Wächtern | bis 40 |
| Türme und Wasserkunst | 120 min | Reichenturm (schief), Alte Wasserkunst, Lauenturm, Stadtmauer | bis 25 |
| Sorbisches Bautzen | 90 min | Sorbisches Museum, Domowina, zweisprachige Stadt, Sprache hören | bis 30 |
| Gedenkstätte Bautzen | 120 min | Ehemaliges Stasi-Gefängnis Bautzen II, Zellen, Zeitzeugenfilm | bis 30 |
| Senf und Handwerk | 90 min | Senfmanufaktur, Verkostung, Handwerksbetriebe der Altstadt | bis 25 |
Zwei Führungen an einem Tag sind üblich – eine vormittags, die Nachtwächterführung abends.
Türme und Wasserkunst
Die Altstadt steht auf einem Felsen, der Spree und Stadt um 40 Meter trennt. Die Alte Wasserkunst von 1558 hob das Flusswasser mit einem Schöpfwerk in die Stadt – bis 1965 in Betrieb, heute technisches Museum mit Aussichtsplattform. Der Reichenturm neigt sich um 1,44 Meter aus dem Lot und gilt als schiefster Turm nördlich der Alpen; er ist besteigbar. Die Führung verbindet die Türme mit der Stadtmauer, die auf der Spreeseite fast vollständig erhalten ist, und der Friedensbrücke, von der der klassische Blick auf die Stadtsilhouette möglich ist.
Sorbisches Bautzen
Bautzen – sorbisch Budyšin – ist Sitz der Domowina, des Sorbischen Instituts, des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters und des Sorbischen Museums in der Ortenburg. Die Führung zeigt die Stadt aus sorbischer Perspektive: die zweisprachigen Schilder, das Haus der Sorben, die Gedenktafeln an sorbische Schriftsteller, das Museum mit Trachten, Ostereiern und der Geschichte eines Volkes, das nie einen Staat hatte. Auf Wunsch spricht die Stadtführerin einen Teil der Führung auf Sorbisch, damit die Gruppe die Sprache hört.
Gedenkstätte Bautzen
Bautzen II war ein Sonderhaftanstalt der DDR-Staatssicherheit für politische Gefangene; das benachbarte Bautzen I, das „Gelbe Elend”, diente in der NS-Zeit und der sowjetischen Besatzungszeit als Gefängnis und Speziallager. Die Gedenkstätte in Bautzen II zeigt Zellen, Verhörräume und Biografien; ein Zeitzeugenfilm ergänzt den Rundgang. Für Gruppen mit zeitgeschichtlichem Interesse – Schulklassen, politische Bildung, Vereine – ist die Führung der Kern des Bautzen-Tages. Sie ist emotional fordernd; Veranstalter sollten sie nicht mit der Senfverkostung im selben Programmblock kombinieren.
Nachtwächter und Senf
Die Nachtwächterführung ist das Abendprogramm: Ein Stadtführer im Kostüm mit Laterne und Hellebarde führt durch die beleuchtete Altstadt und erzählt von Feuerwachen, Stadtgericht und dem Alltag der Wächter. Sie dauert 90 Minuten und endet auf Wunsch in einem Gasthaus. Der Bautz’ner Senf wird seit 1866 in der Stadt hergestellt; die Senfmanufaktur in der Altstadt zeigt die Herstellung und lässt verkosten – ein leichter Programmpunkt für den Nachmittag.
Praktisches
Reisebusse parken am Kornmarkt oder an der Schliebenstraße unterhalb der Altstadt; die Altstadt selbst ist für Busse gesperrt. Hotels der Drei- und Vier-Sterne-Kategorie liegen in Altstadtnähe. Bautzen ist von Dresden in einer Stunde erreichbar und als Standort für Ausflüge nach Görlitz, ins Zittauer Gebirge und ins Seenland geeignet.
Kombination mit dem Umland
Wer Bautzen einen zweiten Tag gibt, verbindet die Stadt mit dem Land am Klosterwasser – Kloster St. Marienstern und die katholisch-sorbischen Dörfer, zwanzig Minuten westlich – oder mit dem Bautzener Stausee im Norden, wo Rundwege und ein Fahrgastschiff die Gruppe an frischer Luft beschäftigen. Beide Ergänzungen sind als eigene Bausteine beschrieben und mit den Bautzener Führungen ohne Hotelwechsel kombinierbar.
Die Stadt über der Spree
Bautzens Wirkung beruht auf seiner Lage, und die lässt sich in einer Führung nicht ersetzen, sondern nur zeigen. Die Altstadt liegt auf einem Granitsporn hoch über der Spree; von der Friedensbrücke und vom Proitschenberg aus ergibt sich das Bild, das auf allen Ansichten der Stadt zu sehen ist – Türme, Stadtmauer und die Ortenburg über der Flussschleife. Für Gruppen lohnt es, den Bus dort halten zu lassen und die letzten Meter zu Fuß zu gehen, bevor der Rundgang in der Altstadt beginnt.
Innerhalb der Mauern sind die Wege kurz, aber steil und mit Kopfsteinpflaster belegt. Vom Hauptmarkt zur Ortenburg, zum Dom St. Petri und zur Alten Wasserkunst geht es auf engem Raum bergauf und bergab; für Gruppen mit eingeschränkter Gehfähigkeit wird der Rundgang auf den oberen Bereich um Markt und Dom beschränkt, der ebener ist.
Der Dom und die zwei Konfessionen
Ein Detail des Doms St. Petri erklärt die Geschichte der Region besser als jeder Vortrag: Er ist eine Simultankirche, seit 1524 gemeinsam von Katholiken und Protestanten genutzt, geteilt durch ein Gitter im Kirchenraum. Der katholische Chor liegt im Osten, das evangelische Langhaus im Westen; beide Gemeinden halten ihre Gottesdienste in demselben Bau, abgestimmt in den Zeiten.
Damit ist der Dom das älteste noch bestehende Beispiel dieser Praxis in Deutschland – und die Erklärung dafür, warum in der Oberlausitz katholische und evangelische Dörfer bis heute unmittelbar nebeneinanderliegen, mit unterschiedlichen Bräuchen und unterschiedlichen Trachten. Führungen im Dom sind möglich, richten sich aber nach den Gottesdienstzeiten beider Gemeinden; für Gruppen ist die Anmeldung notwendig, an Sonntagvormittagen ist eine Besichtigung ausgeschlossen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Stadtführung in Bautzen?
Der klassische Altstadtrundgang dauert 90 Minuten. Themenführungen – Nachtwächter, Türme, sorbisches Bautzen – dauern 90 bis 120 Minuten; die Gedenkstätte Bautzen rechnet mit zwei Stunden inklusive Film.
Was ist die Nachtwächterführung?
Ein abendlicher Rundgang mit einem Stadtführer in Nachtwächterkostüm, mit Laterne und Hellebarde, der die Altstadt im Dunkeln zeigt und von Stadtgeschichte, Bränden und Rechtsprechung erzählt. Sie dauert 90 Minuten und ist bei Gruppen der meistgebuchte Abendprogrammpunkt.
Kann eine Gruppe die Alte Wasserkunst besteigen?
Ja. Der Turm von 1558, der bis 1965 die Stadt mit Wasser versorgte, ist Museum mit Aussichtsplattform. Gruppen bis 25 Personen können ihn mit Führung besteigen; die Technik im Inneren ist erhalten.