Gruppenreisen · Themenreise
Sorbische Bräuche, Trachten und Traditionen im Jahreslauf der Lausitz
Die Sorben haben in der Lausitz einen Jahreslauf von Bräuchen bewahrt, der in Deutschland ohne Vergleich ist: Vogelhochzeit im Januar, Zampern im Februar, Osterreiten mit über 1.500 Reitern, Maibaumwerfen, Erntefeste. Die Themenreise legt eine Gruppenreise auf einen dieser Termine und zeigt die Trachten, Werkstätten und Museen dahinter.
- 1.500+
- Osterreiter am Ostersonntag
- 9
- Prozessionen zwischen Bautzen und Wittichenau
- 25. Jan
- Vogelhochzeit
Der sorbische Jahreslauf
Die Sorben, eine westslawische Minderheit von rund 60.000 Menschen, haben in der Lausitz Bräuche bewahrt, die anderswo verschwunden sind. Sie folgen dem Kirchenjahr und dem bäuerlichen Kalender:
| Termin | Brauch | Region |
|---|---|---|
| 25. Januar | Vogelhochzeit – Kinder stellen abends Teller vor die Tür, morgens liegt Gebäck darauf | überall |
| Februar | Zampern – Umzüge in Masken von Hof zu Hof, Fastnacht | Niederlausitz, Spreewald |
| Gründonnerstag–Ostern | Ostereier verzieren, Osterreiten, Ostersingen | Oberlausitz (kath.), Schleife |
| Ende Mai | Maibaumwerfen | Oberlausitz |
| Juni | Johannisreiten in Casel | Niederlausitz |
| September | Erntebräuche: Hahnrupfen, Stollenreiten | Niederlausitz |
| Oktober | Kirmes, Fischwochen | überall |
Das Osterreiten
Das Osterreiten ist der bekannteste sorbische Brauch. Am Ostersonntag reiten Männer in schwarzem Frack, Zylinder und mit Kirchenfahnen in Prozessionen von ihrer Kirchgemeinde in die Nachbargemeinde, um die Osterbotschaft zu verkünden, und am Nachmittag zurück. Neun Prozessionen mit insgesamt über 1.500 Reitern sind zwischen Bautzen, Wittichenau, Ralbitz, Crostwitz, Panschwitz-Kuckau, Nebelschütz, Storcha und Radibor unterwegs. Die Pferde sind geschmückt, die Reiter singen sorbische Kirchenlieder.
Für Gruppen ist das Osterreiten ein fester Programmpunkt mit Regeln: Die Prozessionen sind Gottesdienst, nicht Umzug. Zuschauer stehen am Straßenrand, applaudieren nicht und überqueren die Straße nicht während der Prozession. Busse parken außerhalb der Dörfer; die Gruppe geht die letzten Meter zu Fuß. Hotels in Bautzen und Kamenz sind zu Ostern ein Jahr im Voraus ausgebucht.
Trachten
Es gibt nicht eine sorbische Tracht, sondern etwa ein Dutzend regionale Varianten. Die katholische Tracht um Crostwitz mit schwarzer Haube und weißem Tuch wird noch zu Gottesdiensten getragen. Die Spreewaldtracht mit der großen, gestärkten Haube – der Lapa – ist die bekannteste und wird zu Festen und in der Gastronomie getragen. Die Schleifer Tracht in der Region um Schleife hat eigene Farben für Trauer, Fest und Alltag. Trachtenwerkstätten in Bautzen und Cottbus zeigen Herstellung, Stickerei und die Bedeutung der Farben; das Sorbische Museum Bautzen und das Wendische Museum Cottbus stellen die Varianten nebeneinander aus.
Ostereier
Sorbische Ostereier werden in vier Techniken verziert: Wachsbatik mit Federkiel und Stecknadelkopf, Kratztechnik auf gefärbten Eiern, Ätztechnik mit Säure und Bossiertechnik mit aufgetragenem Wachs. Die Muster – Wolfszähne, Sonnen, Dreiecke – haben Schutzbedeutung. Werkstätten bieten Gruppenkurse an; die eigenen Eier sind das Mitbringsel der Reise.
Programmbeispiel Ostern
| Tag | Programm |
|---|---|
| Karsamstag | Anreise Bautzen, Ostereier-Kurs, Sorbisches Museum |
| Ostersonntag | Osterreiten in Wittichenau oder Ralbitz (vormittags), Mittag, Rückkehr der Prozessionen (nachmittags) |
| Ostermontag | Kloster St. Marienstern, Trachtenwerkstatt, Krabat-Mühle Schwarzkollm; Abreise |
Außerhalb der Osterzeit ersetzen Vogelhochzeit, Zampern oder die Fischwochen den Höhepunkt; Museen, Werkstätten und Klöster bleiben gleich.
Vogelhochzeit und Zampern
Die Vogelhochzeit am 25. Januar ist ein Kinderbrauch: Am Vorabend stellen Kinder Teller vor die Tür, am Morgen liegen Gebäckvögel und Süßigkeiten darauf – der Dank der Vögel für das Futter im Winter. In Kindergärten und Schulen wird die Hochzeit von Elster und Rabe in Trachten nachgespielt; das Sorbische National-Ensemble bringt jedes Jahr ein Vogelhochzeitsprogramm auf die Bühne, das Gruppen in Bautzen, Cottbus und Hoyerswerda besuchen können.
Das Zampern ist der niedersorbische Fastnachtsbrauch: Junge Leute ziehen in Masken und Trachten mit Musik von Hof zu Hof, sammeln Eier, Speck und Geld und feiern am Abend das Zampertanz-Fest im Gasthof. Für Gruppen ist das Zampern schwerer zu erleben als das Osterreiten – es findet werktags in Dörfern statt und folgt keinem festen Kalender – aber Gasthöfe im Spreewald laden Gruppen zum Zampertanz ein, wenn der Termin passt.
Hinweise für Gruppen
Bräuche sind keine Vorführungen. Das Osterreiten ist Gottesdienst, das Zampern Dorffest; Gruppen sind willkommen, wenn sie zuschauen, nicht wenn sie stören. Fotografieren ist beim Osterreiten vom Straßenrand üblich, Blitzlicht auf Pferde nicht. Reiseleitungen mit sorbischen Sprachkenntnissen erklären das Gesehene und übersetzen Lieder und Gebete; sie sind über die Agenturen in Bautzen buchbar.
Hexenbrennen, Maibaum und Erntebräuche
Zwischen Ostern und Herbst liegen die Bräuche, die weniger bekannt sind, aber dieselbe Funktion haben: Sie markieren den Übergang der Jahreszeiten und binden ein Dorf zusammen. Am 30. April brennen die Hexenfeuer, in vielen Orten mit Umzug der Kinder und einer Puppe auf dem Holzstoß, die den Winter darstellt. Im Mai wird der Maibaum gestellt, und in der Niederlausitz und im Spreewald folgt am Monatsende das Maibaumwerfen: Der Baum wird umgelegt, und die jungen Männer des Dorfes wetteifern um den Kranz und den Titel des Maikönigs.
Der Herbst gehört den Erntebräuchen. Beim Hahnrupfen und Hahnschlagen – heute mit Attrappen statt lebenden Tieren – treten Reiter und Paare in Tracht gegeneinander an; die Feste finden zwischen Ende August und Oktober in den sorbischen Dörfern der Nieder- und Oberlausitz statt. In derselben Zeit beginnen die Fischwochen mit dem Abfischen der Teiche.
Wo die Bräuche zu sehen sind
Nicht jede Gruppe reist zum passenden Termin, und dafür gibt es die Häuser, die den Jahreslauf ganzjährig zeigen. Das Sorbische Museum in Bautzen führt Trachten, Ostereier und die Geschichte der Sorben in Dauerausstellung; das Wendische Museum in Cottbus tut dasselbe für die Niederlausitz und das Niedersorbische. Im Sorbischen Kulturzentrum Schleife ist die Schleifer Tracht mit ihrer eigenen Form zu sehen, eine der wenigen, die noch getragen wird.
Für Gruppen, die selbst aktiv werden wollen, bieten Werkstätten in Bautzen, Schleife und im Spreewald das Verzieren von Ostereiern in den vier Techniken an – ganzjährig buchbar, in Teilgruppen von etwa zwanzig Personen, Dauer rund zwei Stunden. Das Freilandmuseum Lehde zeigt Wohnen und Arbeiten im Spreewald des 19. Jahrhunderts und ist der beste Ort, um Tracht, Haus und Alltag zusammen zu erklären.
Häufige Fragen
Wo kann man das Osterreiten in der Lausitz sehen?
Am Ostersonntag zwischen Bautzen, Wittichenau, Ralbitz, Crostwitz, Panschwitz-Kuckau und Radibor. Neun Prozessionen reiten zwischen den Kirchgemeinden hin und zurück; die bekannteste Strecke ist Wittichenau–Ralbitz. Zuschauer stehen an den Straßenrändern der Dörfer.
Werden die Trachten noch im Alltag getragen?
Im katholischen Kernland um Crostwitz tragen ältere Frauen die Tracht zu Gottesdiensten; im Spreewald wird sie zu Festen getragen. Überall sonst ist sie Festtracht für Bräuche, Hochzeiten und Auftritte. Trachtenwerkstätten in Bautzen und Cottbus zeigen Herstellung und Regionalunterschiede.
Kann eine Gruppe sorbische Ostereier selbst verzieren?
Ja. Werkstätten in Bautzen, Schleife und im Spreewald bieten Kurse in Wachs-, Kratz- und Ätztechnik für Gruppen bis etwa 25 Personen an; ein Kurs dauert zwei Stunden.