Gruppenreisen · Baustein
Bautzen und das Land des Klosterwassers: Kloster, Dörfer, Markt
Westlich von Bautzen fließt das Klosterwasser, ein kleiner Bach, der einer ganzen Landschaft den Namen gibt: dem Land der katholischen Sorben mit dem Kloster St. Marienstern in seiner Mitte. Der Baustein verbindet einen Vormittag in Bautzen mit einem Nachmittag in den Dörfern am Klosterwasser – und im Advent mit dem ältesten Weihnachtsmarkt Deutschlands.
- 1248
- Gründung Kloster St. Marienstern
- 1384
- Wenzelsmarkt erstmals erwähnt
- ~10
- sorbische Dörfer am Klosterwasser
Die Landschaft am Klosterwasser
Zwischen Bautzen und Kamenz liegt eine Landschaft, die sich von der übrigen Oberlausitz unterscheidet: das Land am Klosterwasser. Die Dörfer Crostwitz, Ralbitz, Rosenthal, Panschwitz-Kuckau und Räckelwitz sind katholisch in einer sonst protestantischen Region, und ihre Bewohner sprechen im Alltag Sorbisch. Das Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau war seit seiner Gründung 1248 Grundherr dieser Dörfer und hielt sie in der Reformation beim alten Glauben – daher die katholische Insel. Der Baustein zeigt Bautzen als Stadt und das Klosterwasser als ihr ländliches Gegenstück.
Ablauf
| Zeit | Programm | Ort |
|---|---|---|
| 9:30 | Stadtführung Bautzen: Hauptmarkt, Reichenturm, Dom St. Petri, Ortenburg | Bautzen |
| 11:30 | Sorbisches Museum | Bautzen |
| 12:30 | Mittag in der Altstadt | Bautzen |
| 14:00 | Busfahrt ins Klosterwasser (25 min), Führung Kloster St. Marienstern | Panschwitz-Kuckau |
| 15:30 | Kaffee in der Klosterschänke, Klosterladen, Gärtnerei | Panschwitz-Kuckau |
| 16:30 | Fahrt durch Crostwitz und Ralbitz, Wallfahrtskirche Rosenthal | Klosterwasser |
| 17:30 | Rückkehr Bautzen | – |
Im Advent verschiebt sich der Ablauf: Der Wenzelsmarkt am Nachmittag ersetzt die Fahrt durch die Dörfer.
Bautzen am Vormittag
Der Vormittag folgt dem klassischen Altstadtrundgang: Hauptmarkt mit Rathaus, der schiefe Reichenturm, die Reichenstraße mit Bürgerhäusern, der Dom St. Petri – seit 1524 von Katholiken und Protestanten gemeinsam genutzt, ein Gitter teilt das Kirchenschiff – und die Ortenburg mit dem Sorbischen Museum. Das Museum ist die Vorbereitung auf den Nachmittag: Trachten, Ostereier, Sprache und Geschichte der Sorben, deren Alltag die Gruppe danach in den Dörfern sieht.
Kloster St. Marienstern
Das Zisterzienserinnenkloster St. Marienstern wurde 1248 gegründet und ist seither ohne Unterbrechung bewohnt – eines von wenigen Klöstern in Deutschland, die Reformation, Säkularisation und DDR überstanden. Die frühgotische Klosterkirche, der Kreuzgang und die Schatzkammer mit Handschriften aus dem 13. Jahrhundert werden mit Führung gezeigt. Klosterladen, Gärtnerei mit Heilpflanzen und die Klosterschänke sind ohne Führung zugänglich. Das Kloster betreibt eine Behindertenwerkstatt; ihre Produkte werden im Laden verkauft.
Die Dörfer
Die Fahrt durch Crostwitz, Ralbitz und Rosenthal zeigt das katholische Sorbenland: zweisprachige Schilder, Wegkreuze an den Straßen, Kirchen als Dorfmittelpunkte. Rosenthal ist Wallfahrtsort mit einer Marienstatue aus dem 15. Jahrhundert; Ralbitz hat einen Friedhof mit einheitlichen weißen Holzkreuzen, der zu den bekanntesten Bildern der sorbischen Lausitz gehört. Am Ostersonntag reiten von hier die Osterreiter nach Wittichenau. Die Gruppe sieht die Orte vom Bus aus mit kurzen Stopps; ein Spaziergang in Ralbitz zum Friedhof dauert 20 Minuten.
Der Wenzelsmarkt
Im Advent ist Bautzen Ziel für den Wenzelsmarkt, den ältesten Weihnachtsmarkt Deutschlands. 1384 verlieh König Wenzel IV. der Stadt das Recht, in der Adventszeit einen Fleischmarkt abzuhalten; daraus entwickelte sich der Weihnachtsmarkt auf dem Hauptmarkt. Er ist mit rund 80 Ständen überschaubar und für Gruppen gut zu bewältigen; sorbische Ostereier – im Advent als Christbaumschmuck – und Bautz’ner Senf sind die typischen Mitbringsel. Für Gruppen ersetzt der Markt den Nachmittag in den Dörfern; das Kloster ist auch im Winter zu besichtigen.
Praktisches
Busse parken in Bautzen am Kornmarkt und am Kloster auf dem Besucherparkplatz. Der Baustein funktioniert für 20 bis 50 Personen; die Klosterführung ist auf 30 Personen begrenzt, größere Gruppen werden geteilt. Das Kloster ist bis auf die Schatzkammer barrierefrei.
Saison
Der Baustein ist ganzjährig durchführbar. Im Frühjahr fällt er mit dem Osterreiten zusammen – dann sind die Dörfer am Klosterwasser der Schauplatz der Prozessionen, und die Fahrt durch die Orte wird am Ostersonntag durch das Zuschauen am Straßenrand ersetzt. Im Herbst ist der Klostergarten am schönsten; im Advent ersetzt der Wenzelsmarkt den Nachmittag im Land. Nur die Klosterkirche ist an hohen Feiertagen für Besucher geschlossen.
Das Kloster und sein Umfeld
St. Marienstern ist keine Ruine und kein Museum, sondern ein Zisterzienserinnenkloster in Gebrauch: 1248 gegründet, seit der Gründung ohne Unterbrechung besiedelt, mit Konvent, Landwirtschaft und Werkstätten. Für Gruppen bedeutet das eine Führung mit Rücksicht auf den Tagesablauf des Konvents – die Kirche ist während der Gebetszeiten nicht zu besichtigen, und Führungen enden vor dem Mittagsgebet.
Zum Klosterhof gehören ein Laden mit Erzeugnissen aus eigener Landwirtschaft und Klöstern der Umgebung, eine Gärtnerei und der Klostergarten. In den Wirtschaftsgebäuden sitzen eine Naturschutzstation und Räume für Bildungsarbeit. Gruppen, die eine Einkehr wünschen, finden im Klosterhof und in den Gasthöfen der umliegenden Dörfer Platz; für sechzig Personen ist beides vorab zu bestellen.
Die Dörfer und der Friedhof von Ralbitz
Der eindrücklichste Ort der Landschaft ist ein Friedhof. In Ralbitz stehen die Gräber in exakten Reihen unter gleich hohen weißen Holzkreuzen, alle in derselben Form, ohne Namen an der Vorderseite – Ausdruck der Vorstellung, dass vor dem Tod alle gleich sind. Der Friedhof ist ein Ort der Gemeinde, kein Ausflugsziel; Gruppen betreten ihn still und in kleinen Gruppen, Fotografieren ist zurückhaltend zu handhaben.
Zwischen Ralbitz, Crostwitz, Nebelschütz und Panschwitz-Kuckau liegen wenige Kilometer, und die Wege verbinden Feldkreuze, Kapellen und Höfe. Wer statt einer Busrundfahrt einen Spaziergang einplant, wählt den Abschnitt entlang des Klosterwassers zwischen Kloster und Ralbitz: eben, schattig und in einer Stunde zu gehen. Im Frühjahr sind hier die Wege der Osterreiter, im Herbst die Erntebräuche zu erleben.
Häufige Fragen
Wann ist der Weihnachtsmarkt in Bautzen?
Der Wenzelsmarkt findet in den drei Wochen vor Weihnachten auf dem Hauptmarkt statt. Er wurde 1384 als Fleischmarkt erstmals erwähnt und gilt damit als ältester Weihnachtsmarkt Deutschlands. Für Busgruppen gibt es Parkplätze am Kornmarkt.
Kann man das Kloster St. Marienstern besichtigen?
Ja, mit Führung. Das Kloster ist seit 1248 ununterbrochen von Zisterzienserinnen bewohnt; Kirche, Klosterhof und die Schatzkammer mit mittelalterlichen Handschriften sind zugänglich. Klosterladen, Gärtnerei und Klosterschänke sind ohne Führung offen.
Was ist das Klosterwasser?
Ein Bach, der bei Crostwitz entspringt, am Kloster St. Marienstern vorbeifließt und bei Königswartha in die Schwarze Elster mündet. Die Landschaft an seinem Lauf – rund zehn Dörfer zwischen Kamenz und Bautzen – ist das Kernland der katholischen Sorben.