Volumen geteilt durch Fläche ergibt die mittlere Tiefe: 98 Millionen Kubikmeter auf 6,53 Quadratkilometern sind rund 15 Meter. Die größte Tiefe beträgt 34 Meter, also mehr als das Doppelte. Dieses Verhältnis beschreibt die Form des Beckens: Ein See, dessen mittlere Tiefe bei etwa der Hälfte der größten liegt, hat kein flaches Becken mit einem einzelnen Loch, sondern eine gleichmäßig abfallende Wanne — die Form eines Tagebaurestlochs.
Die mittlere Tiefe ist auch das Maß dafür, wie träge ein See ist. Je mehr Wasser pro Fläche steht, desto langsamer erwärmt sich das Gewässer im Frühjahr, desto länger hält es die Wärme im Herbst und desto seltener trägt es im Winter eine geschlossene Eisdecke. Das gilt für jedes Standgewässer und erklärt, warum die fünf Seen der Kette trotz gleicher Lage und gleichen Wetters unterschiedlich reagieren: Ihre Becken sind verschieden geformt.
Für den Verbund ist der Geierswalder See der Knoten. Von hier führen zwei benannte Überleiter weg — der Sornoer Kanal zum Sedlitzer See auf gleicher Höhe und der Koschener Kanal zum Senftenberger See, zwei Meter tiefer. Diese zwei Meter sind der Grund für die einzige Schleuse der Kette. Wo zwei Wasserflächen gleich hoch stehen, genügt ein Durchstich; wo eine Stufe liegt, braucht es ein Bauwerk, das ein Schiff anhebt und absenkt.
Warum nur für diesen See ein Volumen vorliegt, hat einen praktischen Grund. Eine Fläche lässt sich aus Luftbildern bestimmen, ein Pegel an einer Messlatte ablesen, die größte Tiefe an einer einzelnen Stelle sondieren. Ein Volumen dagegen setzt eine flächige Tiefenaufnahme voraus — ein Raster aus Echolotprofilen über das ganze Becken, aus dem sich der Rauminhalt rechnen lässt. Solche Aufnahmen entstehen, wenn ein Gewässer bewirtschaftet oder schiffbar gemacht wird, und sie werden nicht immer veröffentlicht.
Deshalb steht in den Datenblättern der vier Nachbarn an dieser Stelle nichts. Wer die fünf Seen vergleichen will, vergleicht Flächen, Tiefen und Pegel; die mittlere Tiefe, das aussagekräftigste Maß für die Form eines Beckens, ist nur hier zu haben. Ein geschätzter Wert für die übrigen wäre bequem und wertlos — er würde eine Messung behaupten, die niemand vorgenommen hat.
Zwei weitere Jahreszahlen ordnen den See ein: 2004 endete hier die Sanierung des Restlochs, 2006 wurde er freigegeben — sieben Jahre vor dem Erreichen seines Endstands. Ein Becken kann also nutzbar sein, lange bevor es voll ist, weil Freigabe und Zielpegel zwei verschiedene Verfahren sind: das eine bewertet die Standsicherheit der Ufer, das andere den Wasserstand. Sein obersorbischer Name ist Lejnjanski jězor.
Was diesen See für die Kette wichtig macht, ist damit nicht seine Größe, sondern seine Lage im Netz. Er ist der kleinste der fünf und gleichzeitig der einzige, an dem zwei Überleiter unterschiedlicher Art zusammentreffen — einer auf gleicher Höhe, einer über eine Stufe. Wer den Verbund als System liest, beginnt deshalb hier und nicht am größten Becken.