Verockerung entsteht, wenn Grundwasser durch Kippenböden strömt, in denen eisenhaltige Minerale liegen. Solange die Gruben trocken gehalten wurden, war Luft in diesen Böden; das gelöste Eisen bleibt im sauerstoffarmen Grundwasser transportfähig und fällt erst aus, wenn es an der Oberfläche mit Sauerstoff in Kontakt kommt. Was dann ausfällt, ist Eisenhydroxid — der rostbraune Schleier, der Gewässern der Bergbaufolgelandschaft ihren Namen gab.
Behandelt wird das mit zwei Mitteln. Kalk hebt den pH-Wert, der durch die begleitende Schwefelsäure sinkt, und Flockungshilfen lassen die feinen Eisenpartikel zu größeren Flocken zusammenwachsen, die zum Grund absinken. Ein Behandlungsschiff bringt diese Stoffe dosiert in die Wasserfläche ein und arbeitet dort über Jahre — es ist kein Bauwerk, sondern ein laufender Betrieb, der so lange nötig bleibt, wie aus den Kippen Eisen nachströmt.
Die Zeitachse des Sees passt zu diesem Befund. Elf Jahre dauerte seine Flutung, von 2004 bis 2015 — die längste veröffentlichte Spanne der Kette, am Senftenberger See waren es fünf. Ein Becken, das über elf Jahre gefüllt wird, steht entsprechend lange mit wechselnden Wasserständen an seinen Kippenufern, und genau in dieser Zone entsteht der Kontakt zwischen Grundwasser, Boden und Luft, aus dem die Verockerung folgt.
Gefüllt wurden die Becken der Kette nicht allein durch aufsteigendes Grundwasser, sondern überwiegend mit Wasser aus Flüssen der Region — am ersten See der Kette aus der Schwarzen Elster. Das hat einen chemischen Grund: Steigt nur Grundwasser durch die Kippen auf, gelangt eisen- und sulfatreiches Wasser in den See und versauert ihn. Flusswasser bringt Härte und Puffer mit, verdünnt die Zuflüsse aus den Kippen und verkürzt die Füllzeit um Jahre.
Die Flutungsdauer ist damit keine technische Nebengröße, sondern eine wasserwirtschaftliche Entscheidung: Wie viel darf einem Fluss entnommen werden, ohne dass er selbst zu wenig führt? In trockenen Jahren wird die Entnahme gedrosselt, und die Flutung dauert länger. Die elf Jahre am Partwitzer See sind vor diesem Hintergrund zu lesen — nicht als Verzögerung, sondern als das Tempo, das der Fluss zuließ. Der bemerkenswerteste Eintrag dieses Blattes ist deshalb keine Zahl, sondern ein laufender Betrieb auf dem Wasser.
In der Geometrie der Kette steht der See in der Mitte: 11,00 Quadratkilometer, 21,1 Prozent der Gesamtfläche, ein einziger benannter Überleiter. Über den Rosendorfer Kanal gehört er zu dem Verbund aus drei Becken auf 101,0 Metern NHN, die sich hydraulisch wie ein Wasserkörper verhalten — auf gleicher Höhe verbunden, ohne Schleuse. Seinen Namen trägt er nach Klein Partwitz am Ostufer, nicht nach dem Tagebau, dessen Restloch er füllt.