Fünfundfünfzig Meter sind mehr als das Doppelte der Tiefe des Senftenberger Sees und doppelt so viel wie am Sedlitzer See, bei einer Fläche von 8,20 Quadratkilometern. Tiefe Becken schichten sich im Sommer: Oben liegt eine erwärmte Schicht, unten eine kalte, zwischen ihnen eine Sprungschicht, in der die Temperatur auf wenigen Metern stark abfällt. Das ist eine allgemeine Eigenschaft stehender Gewässer dieser Tiefe und gilt unabhängig davon, welche Messwerte für diesen See veröffentlicht sind.
Zwei Folgen davon sind für Besucher unmittelbar: Das Wasser bleibt unter der Sprungschicht auch im August kalt, und der See braucht im Frühjahr länger als flache Gewässer, um badetaugliche Temperaturen zu erreichen. Für die Wasserwirtschaft ist eine dritte wichtiger: Ein tiefes Becken hält viel Wasser bei geringer Fläche und verliert entsprechend wenig durch Verdunstung — beim Füllen aus einem Fluss ein Vorteil, der die Bilanz der ganzen Kette betrifft.
Zum offenen Abschlussjahr: Die Flutung begann 2007, ein veröffentlichtes Enddatum gibt es nicht, und dieses Blatt setzt keines ein. Das ist keine Lücke in der Recherche, sondern der Stand der Quellen — anders als bei den vier Nachbarn, deren Zielpegel jeweils mit Jahr belegt sind. Auch ein Volumen ist für diesen See nicht publiziert, weshalb die Angabe hier fehlt statt geschätzt zu werden.
Die Tiefe hat ein sichtbares Gegenstück über dem Wasser. Wo ein Becken 55 Meter unter den Spiegel reicht, liegen seine Kanten entsprechend hoch über dem Wasser, und die Böschungen sind lang. Die Nordkante des ehemaligen Tagebaus Meuro, auf der die IBA-Terrassen stehen, ist deshalb kein Aussichtsbauwerk, sondern der stehen gebliebene Rand der Grube — der Blick von dort auf den See ist der Blick aus der Abbaukante ins fertige Restloch.
Dieselbe Geometrie ist der Grund für die abschnittsweisen Freigaben. Lange Böschungen aus geschüttetem Material müssen als standsicher bewertet sein, bevor Wege und Ufer betreten werden dürfen; je höher die Kante, desto aufwendiger der Nachweis. Was auf der Karte als fertige Uferlinie erscheint, ist im Gelände deshalb nicht überall ein zugängliches Ufer. Und als einziger der fünf hat der Großräschener See noch keinen fertigen Überleiter: Der Ilse-Kanal zum Sedlitzer See ist im Bau.
Bis zum 9. September 2011 hieß der See Ilsesee; seither trägt er den Namen der Stadt an seinem Nordufer. Von den fünf Blättern der Kette ist dieses damit das einzige, dessen Gegenstand innerhalb weniger Jahre den Namen gewechselt hat — ein Hinweis darauf, wie jung diese Landschaft und ihre Benennung sind.