Zwischen dem Ende seiner Flutung 1972 und dem Zielpegel des Sedlitzer Sees 2025 liegen dreiundfünfzig Jahre. Der Senftenberger See ist damit der einzige See der Kette, der über eine so lange Reihe beobachtet wurde: Ufer, die sich setzten, Bepflanzung, die aufwuchs, ein Wasserkörper, der seinen Nährstoffhaushalt fand. Alles, was an den jüngeren Seen bevorsteht, ist hier bereits geschehen — weshalb er in Planungen der Region regelmäßig als Referenz auftaucht.
Seine Zahlen zeigen die Folgen dieser Zeit. Von 18 Kilometern Uferlänge sind sieben Kilometer Strand, ein Verhältnis, das kein anderer der fünf erreicht; der erste Abschnitt ging 1973 in Betrieb, ein Jahr nach dem Ende der Flutung. Mit 26 Metern ist der See der flachste der Kette und mit 99,0 Metern NHN der niedrigste im Pegel — zwei Meter unter den drei Seen im Osten, einen unter dem Großräschener See.
Die Insel von rund 250 Hektar ist der zweite Eintrag ohne Gegenstück. Sie ist kein Rest eines Hügels, sondern eine stehen gelassene Kippenfläche innerhalb des Restlochs, und sie nimmt rund ein Fünftel der Seefläche ein. Für den Wasserkörper bedeutet eine Insel dieser Größe zusätzliche Uferlinie und geschützte Flachwasserbereiche — Zonen, wie sie an den anderen vier Seen fehlen.
Ein Speicherbecken ist eine Anlage mit Auftrag: Es nimmt Wasser auf, wenn ein Fluss viel führt, und gibt es ab, wenn er wenig führt. Für die Schwarze Elster hieß das Hochwasserdämpfung im Winter und Stützung des Abflusses im Sommer, dazu Betriebswasser für die Industrie der Region. Baden, Strand und Hafen waren Folgenutzungen, die sich anschlossen, weil das Becken ohnehin da war.
Diese Herkunft erklärt auch die Lage des Pegels. Mit 99,0 Metern NHN liegt der See als einziger der fünf unter der Höhe seiner Nachbarn — ein Speicher wird dort angelegt, wo Wasser von selbst hinfließt und wieder abgegeben werden kann, nicht auf der Höhe der umliegenden Becken. Erst 2013 machte der Koschener Kanal mit seiner Schleuse aus diesem Höhenunterschied eine überwindbare Stufe statt einer Grenze — einundvierzig Jahre nach der Fertigstellung des Sees.
Bemerkenswert ist schließlich, dass der flachste See der Kette den größten Strandanteil hat — und das ist kein Zufall. Flach auslaufende Ufer sind eine Voraussetzung für Badestellen, und wo ein Becken nur 26 Meter tief ist, liegen diese Zonen breiter als an einem Restloch mit steilen Böschungen. Fläche und Nutzbarkeit sind an einem See deshalb zwei verschiedene Größen, und die Zahlen des Registers zeigen beide.