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Lausitzer Traditionen: Bräuche, Handwerk und Küche der Region

Die Lausitz hat Traditionen bewahrt, die anderswo verschwunden sind – weil die Region ländlich blieb, weil zwei Kulturen nebeneinander lebten und weil die Sorben ihre Bräuche als Teil ihrer Identität pflegten. Diese Seite zeigt, was gelebt wird: im Jahreslauf, im Handwerk und in der Küche.

1.500+
Osterreiter jährlich
1897
erster Herrnhuter Stern in Serie
13.Jh.
Beginn der Karpfenteichwirtschaft

Der sorbische Jahreslauf

Die sichtbarsten Traditionen der Lausitz sind die der Sorben, der slawischen Minderheit, die seit 1.400 Jahren hier lebt. Ihr Jahr folgt Kirchenkalender und Landwirtschaft:

TerminBrauchRegion
25. JanuarVogelhochzeit – Gebäck für Kinder, Trachtenspieleganze Lausitz
FebruarZampern – Fastnachtsumzüge von Hof zu HofSpreewald, Niederlausitz
OsterzeitOstereier verzieren, Osterreiten, Ostersingen, OsterfeuerOberlausitz, Schleife
MaiMaibaumwerfenOberlausitz
JuniJohannisreitenCasel
SeptemberErntebräuche – Hahnrupfen, StollenreitenNiederlausitz
OktoberKirmes, Fischwochenganze Lausitz

Das Osterreiten ist der bekannteste Brauch: Am Ostersonntag reiten über 1.500 Männer in Frack und Zylinder in neun Prozessionen zwischen Bautzen, Wittichenau und Ralbitz, um die Osterbotschaft in die Nachbargemeinde zu tragen. Die Vogelhochzeit am 25. Januar dankt den Vögeln für ihr Ausharren im Winter: Kinder stellen abends Teller vor die Tür und finden morgens Gebäck darauf. Das Zampern ist die niedersorbische Fastnacht, bei der junge Leute in Masken von Haus zu Haus ziehen und Eier und Speck für das Zampertanz-Fest sammeln.

Trachten und Ostereier

Die sorbische Tracht existiert in rund einem Dutzend regionaler Varianten: die Spreewaldtracht mit der großen Haube, die katholische Tracht um Crostwitz, die Schleifer Tracht mit eigenen Farben für Fest, Trauer und Alltag. Getragen wird sie zu Bräuchen, Hochzeiten und Gottesdiensten – im katholischen Kernland von älteren Frauen noch im Alltag. Sorbische Ostereier werden in vier Techniken verziert: Wachsbatik, Kratz-, Ätz- und Bossiertechnik; die Muster aus Dreiecken, Sonnen und Wolfszähnen tragen Schutzbedeutung. Ostereiermärkte in Bautzen und Schleife im März zeigen die Kunst; Werkstätten bieten Kurse an.

Herrnhuter Sterne

Eine Tradition ganz anderer Herkunft kommt aus Herrnhut im Oberlausitzer Bergland. Die Herrnhuter Brüdergemeine, 1722 von böhmischen Glaubensflüchtlingen gegründet, entwickelte im 19. Jahrhundert den Adventsstern mit 25 Zacken als Mathematikübung im Internat; ab 1897 wurde er in Serie gefertigt. Heute hängen Herrnhuter Sterne in Kirchen und Fenstern weltweit; die Manufaktur in Herrnhut zeigt die Herstellung und hat eine Schauwerkstatt.

Umgebindehäuser

Im Oberlausitzer Bergland steht eine Bauform, die es nur hier, in Nordböhmen und Schlesien gibt: das Umgebindehaus. Eine hölzerne Blockstube – der Wohn- und Webraum – wird von einem Stützgerüst umgeben, das das Obergeschoss trägt, ohne die Stube zu belasten; so ertrug das Haus die Schwingungen des Webstuhls. Rund 19.000 sind erhalten, die meisten zwischen Zittau, Ebersbach und Löbau. Obercunnersdorf mit über 250 Häusern ist als Denkmalort geschützt; der Tag des offenen Umgebindehauses Ende Mai öffnet private Häuser.

Küche

Die Lausitzer Küche ist bäuerlich und vom Wasser geprägt. Karpfen aus den Teichen, die seit dem 13. Jahrhundert bewirtschaftet werden, ist das Festessen des Herbstes – blau, gebacken oder als Filet, in den Lausitzer Fischwochen von Ende September bis Anfang November in Gasthöfen zwischen Peitz und Königswartha. Leinöl mit Quark und Kartoffeln ist das Alltagsgericht des Spreewalds; das Öl wird in Ölmühlen der Region kalt gepresst. Spreewaldgurken tragen seit 1999 eine geschützte Herkunftsbezeichnung. Plinsen – dünne Eierkuchen – gibt es süß und herzhaft; Bautz’ner Senf wird seit 1866 in Bautzen hergestellt. Zu Hochzeiten gehört die sorbische Hochzeitssuppe mit Klößchen, Nudeln und Rindfleisch.

Wo Traditionen zu erleben sind

Das Sorbische Museum Bautzen und das Wendische Museum Cottbus zeigen Trachten, Bräuche und Sprache. Das Freilandmuseum Lehde im Spreewald und der Erlichthof Rietschen zeigen ländliches Leben. Feste finden in Dörfern statt: Osterreiten in Ralbitz und Wittichenau, Zampern in Burg und Vetschau, Fischwochen in den Teichdörfern. Wer Traditionen als Reisegrund nimmt, plant nach dem Kalender – und bleibt auf den Nebenstraßen.

Blaudruck, Töpferei und Leinen

Neben den bekannten Bräuchen hat sich in der Lausitz Handwerk gehalten, das mit ihnen zusammenhängt. Der Blaudruck – Stoff wird mit einem Papp aus Modeln bedruckt, dann mit Indigo gefärbt, wobei die bedruckten Stellen weiß bleiben – lieferte die Muster für Schürzen und Kopftücher der Trachten. In der Niederlausitz arbeiten noch einzelne Werkstätten mit den alten Holzmodeln; das Verfahren wurde 2018 in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Die Töpfereien der Region stehen für ein Muster, das weit über die Lausitz hinaus bekannt ist: das Bautzner und Oberlausitzer Geschirr mit gestempelten Punkten, Blättern und Zapfen in Blau auf hellem Grund. Und der Flachs, aus dem das Leinen der Tuchmacherstädte kam, ist als Leinöl geblieben – die Grundlage des Gerichts, das im Spreewald zu Quark und Kartoffeln gehört. Wer Werkstätten besuchen will, findet sie in Bautzen, Cottbus, Burg und Schleife.

Traditionen als lebendige Praxis

Der Unterschied zwischen einer Tradition und einer Aufführung liegt darin, wer sie trägt. In der Lausitz sind Osterreiten, Ostersingen, Zampern und die Erntefeste Angelegenheiten der Dörfer: organisiert von Vereinen, Kirchgemeinden und Familien, mit festen Rollen, in die man hineinwächst. Trachten werden nicht angezogen, um Gäste zu unterhalten, sondern zu Firmung, Hochzeit und Prozession getragen; ihr Zustand und ihre Details sind Ausdruck von Zugehörigkeit.

Für Besucherinnen und Besucher folgt daraus eine einfache Haltung: teilnehmen als Gast, nicht als Publikum. Termine stehen in den Gemeindeblättern und bei den Touristinformationen, Eintritt wird meist nicht erhoben, Spenden für die Kirchgemeinde sind üblich. Wer fotografieren will, fragt – und wer eine Prozession erlebt, bleibt am Rand stehen, bis sie vorüber ist.

Häufige Fragen

Welche Bräuche gibt es nur in der Lausitz?

Das Osterreiten mit über 1.500 Reitern in neun Prozessionen, die Vogelhochzeit am 25. Januar, das Zampern im Spreewald, das Maibaumwerfen und das Johannisreiten in Casel – alles sorbische Bräuche. Dazu die Herrnhuter Sterne als Weihnachtstradition der Brüdergemeine.

Was isst man traditionell in der Lausitz?

Karpfen aus den Teichen, vor allem im Herbst zu den Fischwochen; Leinöl mit Quark und Kartoffeln; Spreewaldgurken; Plinsen (Eierkuchen); Hochzeitssuppe; im Bergland Kliezen (Kartoffelklöße). Bautz'ner Senf ist die bekannteste Marke.

Wann sind die Lausitzer Fischwochen?

Von Ende September bis Anfang November, wenn die Teiche abgefischt werden. Gasthöfe im Biosphärenreservat, im Spreewald und um Peitz bieten Karpfen- und Fischgerichte an; einzelne Teichwirtschaften zeigen das Abfischen.

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51°31′N 14°08′E