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Region · Alltag

Lebensstil in der Lausitz: zwischen Spreewald, Seenland, Bergland

Die Lausitz gehört zu den am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands. Das prägt den Lebensstil mehr als jede Tradition: viel Platz, kurze Wege im Dorf und lange in die Stadt, ein starkes Vereinsleben, Gärten und Gartenlauben, Wochenenden am See. Diese Seite beschreibt den Alltag – nicht die Werbebroschüre.

~110
Einwohner pro km² (Oberlausitz)
19.000
erhaltene Umgebindehäuser
2
Alltagssprachen im Kernland

Raum

Die Oberlausitz hat rund 110 Einwohner pro Quadratkilometer, die Niederlausitz weniger; Deutschland im Schnitt 235. Zwischen den Städten liegen Dörfer mit 200 bis 800 Einwohnern, verbunden durch Landstraßen, auf denen abends wenig fährt. Das prägt alles: Ein Auto ist Voraussetzung, der Bus fährt schultags, die nächste Klinik ist 30 Kilometer entfernt. Zugleich ist Platz das, was die Lausitz im Überfluss hat – Grundstücke von 1.500 Quadratmetern sind im Dorf normal, Häuser mit Scheune und Garten kosten, was in Dresden eine Zweizimmerwohnung kostet.

Wohnen

Drei Hausformen prägen das Bild. Im Oberlausitzer Bergland das Umgebindehaus mit Blockstube und Fachwerkobergeschoss – rund 19.000 sind erhalten, viele saniert, viele auf der Suche nach Käufern. In der Heide- und Teichlandschaft der Schrotholzhof: Blockbauten aus Kiefernstämmen, wie sie im Erlichthof Rietschen gesammelt wurden. In den Städten der DDR-Bergbauzeit – Hoyerswerda, Weißwasser, Lauchhammer – die Plattenbausiedlung, die seit 1990 rückgebaut wurde und heute weniger dicht, grüner und älter bewohnt ist als geplant. Dazu überall der Bungalow der 1970er Jahre und der Neubau am Dorfrand.

Zwei Sprachen

Im Kernland der katholischen Sorben zwischen Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda ist der Alltag zweisprachig: Kinder wachsen mit Sorbisch und Deutsch auf, die Kirche predigt sorbisch, der Bäcker grüßt auf Sorbisch. Außerhalb dieses Gebiets ist Sorbisch auf den Ortsschildern, in den Witaj-Kindergärten und bei den Bräuchen präsent, aber nicht mehr Alltagssprache. Für Zuziehende bedeutet das: Man muss kein Sorbisch lernen, aber ein Gruß auf Sorbisch – Dobry dźeń – öffnet Türen.

Garten, Verein, Feuerwehr

Der Lausitzer Alltag findet in drei Institutionen statt. Der Garten – Nutzgarten hinter dem Haus oder Gartensparte am Ortsrand – liefert Gurken, Kartoffeln, Obst und den Ort für den Sommerabend. Der Verein organisiert das Dorfleben: Sportverein, Heimatverein, Karnevalsverein, Angelverein; im sorbischen Gebiet die Domowina-Ortsgruppe. Die Freiwillige Feuerwehr ist die wichtigste Institution des Dorfes, ihr Fest der wichtigste Termin des Jahres. Wer in ein Lausitzer Dorf zieht, wird gefragt, in welchen Verein er eintritt – und das ist ernst gemeint.

Küche

Gegessen wird bäuerlich und saisonal. Leinöl mit Quark und Kartoffeln ist das Gericht, das jeder Lausitzer kennt; Karpfen im Herbst, Spreewaldgurken im Sommer, Plinsen zu jeder Zeit. Hausschlachtung ist im Dorf noch üblich, Wurst und Sülze werden getauscht. Die Gasthöfe kochen dasselbe wie die Familien, nur größer. Wer in der Lausitz Restaurant sagt, meint einen Gasthof mit Saal, Mittagstisch und montags Ruhetag.

Freizeit am Wasser

Das Seenland hat den Lebensstil der westlichen Lausitz verändert. Wo bis in die 1990er Jahre Tagebaue lagen, sind Naherholungsgebiete entstanden: Der Senftenberger See ist seit den 1970er Jahren Badesee, Geierswalder, Partwitzer und Bärwalder See kamen dazu. Wochenendhäuser, Campingplätze, Segelvereine und Skater-Rundwege prägen die Sommer. Für die Menschen der Region ist das Seenland kein Tourismusprojekt, sondern der Ort, an dem der Sommer stattfindet.

Was Zuziehende erwartet

Die Lausitz verliert seit 1990 Einwohner; viele Dörfer sind älter geworden, Schulen wurden geschlossen. Zugleich ziehen seit einigen Jahren Menschen zu – Rückkehrer, Familien aus Berlin und Dresden, Fachkräfte für den Strukturwandel. Sie finden günstigen Raum, Landschaft und ein Dorfleben, das Mitmachen erwartet. Sie finden nicht: Anonymität, Nachtleben und einen Supermarkt um die Ecke. Wer das weiß, kommt zurecht.

Arbeit und Wege

Der Alltag in der Lausitz ist von Entfernungen bestimmt, und die Bewegung geht in beide Richtungen. Wer in einem Dorf wohnt, fährt zur Arbeit in die nächste Stadt – Cottbus, Senftenberg, Hoyerswerda, Bautzen, Görlitz –, und ein Teil der Beschäftigten pendelt weiter nach Dresden oder Berlin, seit die Bahnverbindungen ausgebaut sind. Umgekehrt arbeiten in den Tagebauen, Kraftwerken und Werkstätten der Region Menschen aus den Städten, die aufs Land fahren.

Das Auto ist deshalb Grundausstattung, nicht Statussymbol; Haushalte mit zwei Wagen sind auf dem Dorf die Regel. Der Nahverkehr trägt Schülerinnen und Schüler und die Verbindungen zwischen den Städten, aber selten den Weg von Dorf zu Dorf am Abend. Für Zuziehende ist das die größte Umstellung, für Reisende der Grund, weshalb Rufbusse und Bahnradkombinationen in der Planung eine Rolle spielen.

Der Jahresrhythmus des Alltags

Anders als in Ballungsräumen ist das Jahr hier deutlich gegliedert, und zwar von der Landschaft. Im Frühjahr beginnen Gartenarbeit, die Teichbewirtschaftung und die Osterbräuche, die eine ganze Woche binden. Der Sommer gehört dem Wasser: Nach der Arbeit fahren Familien an einen der Seen, die Badestellen sind bis in den September belebt, und Vereine legen ihre Feste in diese Monate.

Der Herbst ist Erntezeit im doppelten Sinn – Gärten und Teiche. Das Abfischen ist ein öffentliches Ereignis, zu dem Nachbarn und Gäste kommen, und der Karpfen bestimmt die Speisekarten bis Weihnachten. Im Winter zieht sich das Leben in die Vereinsheime, Gasthöfe und Kirchen zurück; die Städte haben ihre Weihnachtsmärkte, die Dörfer ihre Krippenspiele und Kirmesbälle. Wer in dieser Zeit reist, findet Ruhe, geschlossene Häfen und offene Gaststuben.

Häufige Fragen

Wie lebt es sich in der Lausitz?

Ländlich, ruhig und günstig – Wohnraum kostet einen Bruchteil der Großstadtpreise. Dafür sind die Wege lang: zum Facharzt, zur Universität, zum Flughafen. Wer ein Auto und eine Aufgabe hat, findet viel Platz; wer städtisches Leben sucht, findet es in Cottbus, Bautzen und Görlitz in kleiner Form.

Spricht man in der Lausitz Sorbisch im Alltag?

Im katholischen Kernland zwischen Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda ja – in Dörfern wie Crostwitz, Ralbitz und Räckelwitz ist Obersorbisch Alltagssprache in Familien, Kindergärten und Kirche. Außerhalb ist Sorbisch auf Schildern, in Schulen und bei Bräuchen präsent, im Alltag aber Deutsch.

Was macht man in der Lausitz am Wochenende?

Im Sommer: an den See – Senftenberger, Bärwalder oder Geierswalder See sind die Naherholungsgebiete. Sonst: Garten, Verein, Feuerwehrfest, Radtour, Karpfen essen. Die Lausitz ist eine Region, in der die Freizeit draußen und im Dorf stattfindet.

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51°31′N 14°08′E