Region · Menschen
Menschen in der Lausitz – wer hier lebt und wer die Region geprägt hat
Die Lausitz ist eine Region mit zwei Völkern, drei Bundesland-Zugehörigkeiten in einem Jahrhundert und einer Wirtschaft, die zweimal zusammenbrach. Ihre Menschen sind davon geprägt: Sorben, die ihre Sprache hielten; Bergleute, deren Gruben Seen wurden; Zuziehende, die den Platz suchen. Und Persönlichkeiten, die weit über die Region hinaus wirkten.
- ~1,1 Mio.
- Einwohner der Lausitz (D)
- ~60.000
- Sorben
- 1785–1871
- Fürst Pückler
Zwei Völker
Die Lausitz ist seit dem 6. Jahrhundert slawisch besiedelt und seit dem 12. Jahrhundert zweisprachig. Die Sorben – rund 60.000 Menschen, davon etwa 20.000 Sprecher – sind heute eine der vier anerkannten nationalen Minderheiten Deutschlands. Ihre Geschichte ist die eines Volkes ohne Staat, das seine Sprache unter böhmischer, sächsischer, preußischer und deutscher Herrschaft bewahrte, im Nationalsozialismus verfolgt wurde und in der DDR eine geförderte, aber kontrollierte Kultur hatte. Seit 1990 sind Sprache und Kultur durch die Landesverfassungen geschützt; Witaj-Kindergärten, sorbische Schulen, das Sorbische Institut und das Sorbische National-Ensemble tragen sie.
Die deutsche Mehrheit der Lausitz ist ihrerseits geprägt von Zuwanderung: Siedler des Mittelalters, böhmische Exulanten des 17. Jahrhunderts – die Herrnhuter Brüdergemeine entstand aus ihnen –, schlesische Vertriebene nach 1945, Arbeiter aus ganz Ostdeutschland für die Kohle. Eine „alteingesessene” Lausitzer Bevölkerung gibt es in beiden Völkern nur in den Dörfern.
Bergleute und Teichwirte
Zwei Berufe haben die Menschen der Lausitz mehr geformt als alle anderen. Der Bergmann – im Tagebau, in der Brikettfabrik, im Kraftwerk – war über drei Generationen der Normalberuf der westlichen Lausitz; 80.000 Menschen arbeiteten 1989 in Bergbau und Energie. Der Verlust dieser Arbeit nach 1990 ist die zentrale Erfahrung der heute Fünfzig- bis Siebzigjährigen; sie prägt den Blick auf den zweiten Strukturwandel. Der Teichwirt ist der ältere Beruf: Seit dem 13. Jahrhundert werden in der Oberlausitz und um Peitz Karpfen gezüchtet, in Familienbetrieben, die die Teiche über Generationen bewirtschaften. Beide Berufe haben Feste, Trachten und Sprache hinterlassen – der Bergmannsgruß und das Fischerfest sind Lausitzer Alltag.
Persönlichkeiten
| Name | Lebensdaten | Bezug zur Lausitz |
|---|---|---|
| Jakob Böhme | 1575–1624 | Schuhmacher und Mystiker in Görlitz, Philosoph von europäischem Rang |
| Nikolaus Ludwig von Zinzendorf | 1700–1760 | Gründer von Herrnhut und der Brüdergemeine |
| Gotthold Ephraim Lessing | 1729–1781 | Geboren in Kamenz, Dichter der Aufklärung |
| Hermann Fürst von Pückler-Muskau | 1785–1871 | Landschaftsgestalter, Parks in Muskau und Branitz |
| Carl Blechen | 1798–1840 | Maler aus Cottbus, Wegbereiter des Realismus |
| Jan Arnošt Smoler | 1816–1884 | Sorbischer Sprachforscher, Mitbegründer der Maćica Serbska |
| Jurij Brězan | 1916–2006 | Bedeutendster sorbischer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, Krabat-Roman |
| Otfried Preußler | 1923–2013 | Geboren in Reichenberg (Böhmen), machte die Krabat-Sage 1971 weltbekannt |
Krabat als Identitätsfigur
Die Sage vom Zauberlehrling Krabat, der beim schwarzen Müller in Schwarzkollm lernt, ist die Erzählung, die Sorben und Deutsche der Lausitz teilen. Jurij Brězan schrieb sie 1976 als sorbischen Roman, Otfried Preußler 1971 als deutsches Jugendbuch, das in dreißig Sprachen übersetzt und 2008 verfilmt wurde. Die Krabat-Mühle in Schwarzkollm, 2012 eröffnet, ist Festspielort und Ausflugsziel; die Krabat-Region um Hoyerswerda trägt den Namen im Marketing. Krabat ist der Waise, der durch Wissen und Liebe den Bann bricht – eine Figur, in der sich eine Region wiedererkennt, die zweimal neu anfangen musste.
Wandel seit 1990
Die Lausitz hat seit 1990 etwa ein Viertel ihrer Bevölkerung verloren; Hoyerswerda halbierte sich, Weißwasser verlor ein Drittel. Junge Menschen gingen nach Dresden, Berlin und in den Westen, die Zurückbleibenden wurden älter. Seit etwa 2015 kehrt sich der Trend in Teilen um: Rückkehrer, Familien aus den Großstädten und Fachkräfte des Strukturwandels ziehen zu; Görlitz wirbt mit „Probewohnen”, Cottbus wächst durch die Universität. Die Menschen der Lausitz sind heute älter als der Bundesdurchschnitt, ländlicher und – in Umfragen – heimatverbundener. Das Seenland, aus den Gruben ihrer Eltern entstanden, ist der Ort, an dem beides zusammenkommt.
Die Herrnhuter
Eine kleine Gruppe hat die Lausitz weltweit bekannt gemacht: die Herrnhuter Brüdergemeine. 1722 nahm Graf Zinzendorf auf seinem Gut böhmische Glaubensflüchtlinge auf; sie gründeten Herrnhut, entwickelten eine eigene Frömmigkeit und schickten ab 1732 Missionare in die Karibik, nach Grönland, Südafrika und Nordamerika. Herrnhuter Siedlungen gibt es heute auf vier Kontinenten, die Herrnhuter Losungen werden in 60 Sprachen gelesen, der Herrnhuter Stern hängt in Kirchen weltweit. Die Stadt selbst hat 6.000 Einwohner.
Zugezogene und Zurückgekehrte
Zur Bevölkerung der Lausitz gehören seit Jahrzehnten Menschen, die nicht hier geboren sind, und ihre Geschichte erklärt manche Eigenheit der Region. In den 1950er und 1960er Jahren zogen Zehntausende für Kohle, Kraftwerke und Kombinate zu – nach Hoyerswerda, Weißwasser, Spremberg und Lauchhammer, aus Sachsen, Thüringen und dem Norden. Nach 1945 kamen Vertriebene aus Schlesien in die Dörfer, in denen sie oft in Ortschaften mit anderer Konfession und anderer Sprache landeten.
Seit den 2010er Jahren ist eine dritte Bewegung sichtbar: Rückkehrende, die nach Ausbildung und Berufsjahren in Leipzig, Berlin oder Westdeutschland in die Region zurückgehen, und Zuziehende aus den Großstädten, die Häuser in den Dörfern und Kleinstädten kaufen. Sie bringen Betriebe, Gastronomie und kulturelle Angebote mit – ein Teil der neuen Cafés, Werkstätten und Ferienunterkünfte zwischen Görlitz und dem Seenland geht auf sie zurück.
Wo man den Menschen begegnet
Für Reisende ist die Frage praktisch: Wo trifft man in einer dünn besiedelten Region eigentlich Leute? Die Antwort sind die Feste und die Vereine. Dorffeste, Feuerwehrfeste, Erntefeste und Kirmes finden zwischen Mai und Oktober an fast jedem Wochenende irgendwo statt und sind offen; die Termine stehen an den Ortseingängen und in den Gemeindeblättern.
Die zweite Antwort sind die Orte des Alltags: Bäckereien und Fleischereien mit Stehtisch, die Gaststuben in den Dörfern, die Häfen und Badestellen im Sommer, die Wochenmärkte in Bautzen, Görlitz und Cottbus. Wer Sorbisch hören will, fährt in die katholischen Dörfer westlich von Bautzen oder nach Schleife und geht dorthin, wo geredet wird – zum Gottesdienst, zum Fest, in den Laden. Zurückhaltung im Ton und ein bisschen Zeit öffnen hier mehr Türen als jede Führung.
Häufige Fragen
Wie viele Menschen leben in der Lausitz?
Auf deutscher Seite rund 1,1 Millionen – etwa 600.000 in der sächsischen Oberlausitz (Landkreise Bautzen und Görlitz) und 500.000 in der brandenburgischen Niederlausitz. Seit 1990 hat die Region etwa ein Viertel ihrer Bevölkerung verloren.
Wer sind die bekanntesten Persönlichkeiten aus der Lausitz?
Gotthold Ephraim Lessing (Kamenz), Fürst Hermann von Pückler-Muskau (Bad Muskau), Jurij Brězan (sorbischer Schriftsteller), Jakob Böhme (Görlitz), Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (Herrnhut), der Maler Carl Blechen (Cottbus). Otfried Preußler war kein Lausitzer, machte aber mit Krabat die sorbische Sage weltbekannt.
Sind die Sorben eine anerkannte Minderheit?
Ja. Die Sorben sind eine der vier anerkannten nationalen Minderheiten Deutschlands, mit verfassungsrechtlichem Schutz in Sachsen und Brandenburg, eigenen Schulen, Medien und Institutionen. Ihr Dachverband ist die Domowina in Bautzen.