Region · Geschichte
Geschichte der Oberlausitz: wo sie liegt und wie sie entstand
Die Oberlausitz ist keine Verwaltungseinheit, sondern ein historisches Land: über tausend Jahre lang eigenständig regiert, zwischen Böhmen, Sachsen, Brandenburg und Schlesien gelegen, von Sorben und Deutschen bewohnt. Wer wissen will, wo die Lausitz liegt und warum sie so heißt, findet die Antwort in ihrer Geschichte.
- 1002
- erste Erwähnung Bautzens
- 1346
- Gründung des Sechsstädtebunds
- 1635
- Übergang an Sachsen
Wo die Lausitz liegt
Die Lausitz erstreckt sich im Osten Deutschlands vom Spreewald im Norden bis zum Zittauer Gebirge im Süden, von der Elster im Westen bis über die Neiße nach Polen. Sie ist heute auf zwei Bundesländer verteilt: Die Oberlausitz gehört zu Sachsen und umfasst im Wesentlichen die Landkreise Bautzen und Görlitz; die Niederlausitz liegt in Brandenburg mit Cottbus als Zentrum. Östlich der Neiße gehören Teile beider Länder seit 1945 zu Polen. Die Grenze zwischen Ober- und Niederlausitz verläuft etwa auf der Linie Ruhland – Hoyerswerda – Bad Muskau; das Lausitzer Seenland liegt genau auf ihr.
Der Name kommt aus dem Sorbischen: łuža bedeutet Sumpf, feuchte Niederung – eine Beschreibung der Niederlausitz mit ihren Spreewaldfließen und Teichen. Auf das bergigere Land um Bautzen wurde der Name erst im 15. Jahrhundert übertragen, als beide Länder unter der böhmischen Krone gemeinsam verwaltet wurden. Zuvor hieß die heutige Oberlausitz Land Budissin, nach Bautzen.
Slawen, Sorben, Deutsche
Ab dem 6. Jahrhundert besiedelten slawische Stämme das Gebiet zwischen Elbe und Neiße; die Milzener im Süden um Bautzen und die Lusizer im Norden gaben den Landschaften ihre Namen. Im 10. Jahrhundert unterwarfen die deutschen Könige die Stämme; 1002 wird Bautzen erstmals urkundlich erwähnt, als König Heinrich II. und der polnische Herzog Bolesław um die Burg stritten. Im 12. und 13. Jahrhundert siedelten deutsche Bauern und Bürger im Land; Städte wie Görlitz, Kamenz und Zittau entstanden. Die slawische Bevölkerung blieb – als Sorben, deren Sprache bis heute um Bautzen und im Spreewald gesprochen wird.
Böhmen und der Sechsstädtebund
1076 kam das Land Budissin als Lehen an Böhmen, 1158 endgültig. Mit kurzen Unterbrechungen – die Markgrafen von Brandenburg hielten es von 1253 bis 1319 – blieb die Oberlausitz bis 1635 böhmisch, regiert von Prag aus, aber mit weitgehender Selbstverwaltung durch Adel und Städte. 1346 schlossen sich Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau zum Sechsstädtebund zusammen, um die Handelsstraße Via Regia zu sichern und den Landfrieden gegen Raubritter durchzusetzen. Der Bund bestand bis 1815 und prägte die politische Kultur der Oberlausitz: ein Land, das von Städten und Ständen regiert wurde, nicht von einem Fürsten.
Sachsen, Preußen, Teilung
Im Dreißigjährigen Krieg trat Kaiser Ferdinand II. die Oberlausitz 1635 an Sachsen ab – als Pfand für Kriegsschulden, das nie eingelöst wurde. Sachsen ließ dem Land seine Verfassung; die Stände tagten weiter in Bautzen. 1815, nach den Napoleonischen Kriegen, verlor Sachsen den Nordosten der Oberlausitz um Görlitz, Lauban und Hoyerswerda an Preußen, das ihn der Provinz Schlesien angliederte. Die Oberlausitz war damit geteilt: ein sächsischer Westen um Bautzen und Zittau, ein preußischer Osten um Görlitz. Diese Teilung ist bis heute sichtbar – in Bauformen, Konfession und Dialekt.
Bergbau und Industrie
Im 19. Jahrhundert wurde die Lausitz Industrieland. In der Oberlausitz entstanden Textilfabriken um Zittau, Löbau und Bautzen; in der Niederlausitz und im Grenzgebiet um Hoyerswerda und Senftenberg begann ab den 1880er Jahren der Braunkohleabbau, der die Landschaft bis heute prägt. Die Eisenbahn verband die Städte des Sechsstädtebunds; Görlitz wurde Verkehrsknoten zwischen Berlin, Dresden und Breslau.
1945 und danach
Das Kriegsende zog die Grenze an die Neiße: Der östliche Teil der Oberlausitz mit Lauban und dem östlichen Görlitz wurde polnisch. Der westliche Teil kam zum Land Sachsen und 1952 zu den Bezirken Dresden und Cottbus der DDR. Der Braunkohleabbau wurde ausgebaut; Hoyerswerda wuchs zur Neustadt für das Kombinat Schwarze Pumpe, Dörfer wurden abgebaggert. Seit 1990 gehört die Oberlausitz wieder zu Sachsen; der Bergbau ist weitgehend beendet, die Tagebaue werden zu Seen. Görlitz und Zgorzelec verstehen sich seit 1998 als Europastadt.
Orte, an denen Geschichte sichtbar ist
| Ort | Was zu sehen ist | Epoche |
|---|---|---|
| Bautzen, Ortenburg | Sitz der böhmischen Landvögte, Sorbisches Museum | Mittelalter bis heute |
| Görlitz, Untermarkt | Hallenhäuser der Tuchhändler an der Via Regia | 15.–16. Jh. |
| Kloster St. Marienthal | Ältestes Frauenkloster der Zisterzienser in Deutschland (1234) | Mittelalter |
| Zittau, Fastentuch | Großes Fastentuch von 1472, Zeugnis städtischer Frömmigkeit | Spätmittelalter |
| Herrnhut | Siedlung der Brüdergemeine, Weltmission seit 1732 | 18. Jh. |
| Löbauer Berg | Gusseiserner Turm von 1854, Zeichen der Industrialisierung | 19. Jh. |
| Lausitzer Seenland | Geflutete Tagebaue, Denkmale des Bergbaus | 20.–21. Jh. |
Warum die Grenzen so oft wechselten
Die Oberlausitz lag über Jahrhunderte an der Naht zwischen größeren Mächten, und ihre Zugehörigkeit war deshalb regelmäßig Verhandlungsgegenstand. Böhmen, Sachsen, Brandenburg und Preußen grenzten an sie oder beherrschten sie; der Handel auf der Via Regia machte das Land wertvoll, seine geringe Größe machte es wehrlos. Bezeichnend ist, dass die Städte ihre Rechte in dieser Lage selbst sichern mussten – der Sechsstädtebund ist die Antwort einer Region ohne eigenen Landesherrn auf ein Machtvakuum.
Was dabei erhalten blieb, ist ungewöhnlich. Die Oberlausitz behielt bei jedem Herrschaftswechsel ihre Ständeverfassung, ihr eigenes Recht und ihre Verwaltungsgliederung, oft ausdrücklich vertraglich zugesichert. Erst im 19. Jahrhundert wurde sie in die sächsische und preußische Verwaltung eingegliedert. Diese lange Eigenständigkeit erklärt, warum das Land bis heute als Einheit wahrgenommen wird, obwohl es seit zweihundert Jahren keine Verwaltungseinheit mehr ist.
Geschichte im Landschaftsbild
An mehreren Stellen ist die Geschichte nicht museal, sondern topografisch ablesbar. Die Städte des Sechsstädtebunds liegen in Tagesabstand voneinander an einer Straße – dem Verlauf der Via Regia, dem heute Bahn und Bundesstraße folgen. Die konfessionelle Teilung von 1635 ist an den Kirchen zu erkennen: Westlich von Bautzen liegen katholische Dörfer mit Feldkreuzen und Marienkapellen, östlich davon evangelische mit Pfarrhäusern und schlichten Saalkirchen, oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt.
Die preußisch-sächsische Grenze von 1815 ist heute in der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen und in Bauformen erhalten: preußische Chausseen mit Alleebäumen, sächsische Straßen mit anderen Meilensteinen. Und der Zuschnitt der Dörfer verrät ihr Alter – slawische Rundlinge mit Höfen um einen Platz, deutsche Waldhufendörfer als lange Reihen entlang eines Bachs. Wer mit dem Rad unterwegs ist, fährt durch diese Schichten hindurch.
Häufige Fragen
Wo ist die Lausitz?
Im Osten Deutschlands, zwischen Dresden und der polnischen Grenze. Die Oberlausitz liegt in Sachsen um Bautzen, Görlitz und Zittau; die Niederlausitz in Brandenburg um Cottbus, Lübben und Senftenberg. Ein Teil der historischen Lausitz liegt seit 1945 östlich der Neiße in Polen.
Was unterscheidet Oberlausitz und Niederlausitz?
Die Oberlausitz ist der südliche, hügelige Teil um Bautzen und Görlitz, historisch zu Böhmen und Sachsen gehörig. Die Niederlausitz ist der nördliche, flache Teil um Cottbus, historisch zu Brandenburg. Die Grenze verläuft etwa auf der Linie Hoyerswerda – Ruhland; das Lausitzer Seenland liegt genau auf ihr.
Woher kommt der Name Lausitz?
Vom sorbischen Wort łuža für Sumpf oder feuchte Niederung. Er bezeichnete zuerst die Niederlausitz; der Name Oberlausitz kam erst im 15. Jahrhundert auf, als beide Länder unter böhmischer Krone verwaltet wurden.