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Radreisen · Sorbische Lausitz

Radreisen durch die sorbische Lausitz: Sorben, Serben, zwei Sprachen

Die Lausitz ist das Siedlungsgebiet der Sorben, eines westslawischen Volkes mit rund 60.000 Angehörigen. Radreisende begegnen ihrer Kultur auf zweisprachigen Ortsschildern, in Kirchen, Museen und Festen. Diese Seite erklärt, wer die Sorben sind – und warum sie keine Serben sind.

~60.000
Sorben in Deutschland
2
Schriftsprachen (ober-/niedersorbisch)
1912
Gründung der Domowina

Wer die Sorben sind

Die Sorben sind ein westslawisches Volk, das seit dem 6. Jahrhundert in der Lausitz lebt. Sie sind neben Dänen, Friesen und Sinti und Roma eine der vier anerkannten nationalen Minderheiten Deutschlands. Rund 60.000 Menschen zählen sich heute dazu; etwa 20.000 sprechen Obersorbisch, das um Bautzen gesprochen wird, oder Niedersorbisch, die Sprache des Spreewalds und der Region um Cottbus. Beide sind eigene Schriftsprachen mit Literatur, Zeitungen, Schulen und einem Rundfunkprogramm.

Die Sorben haben keinen eigenen Staat und hatten nie einen. Ihre Geschichte ist die eines Volkes, das seine Sprache und Kultur unter wechselnder Herrschaft – der Mark Meißen, Böhmens, Sachsens, Preußens – bewahrt hat. 1912 gründete sich die Domowina als Dachverband der sorbischen Vereine; sie besteht bis heute mit Sitz in Bautzen.

Sorben und Serben – die Verwechslung

Die Namen Sorben und Serben klingen ähnlich und haben tatsächlich einen gemeinsamen Ursprung in einer frühslawischen Stammesbezeichnung. Die Völker sind aber seit anderthalb Jahrtausenden getrennt: Die Serben zogen im 7. Jahrhundert auf den Balkan, die Sorben blieben zwischen Elbe und Neiße. Serbisch ist eine südslawische Sprache, Sorbisch eine westslawische, näher am Polnischen und Tschechischen. Ein Sorbe und ein Serbe verstehen einander nicht besser als ein Deutscher und ein Norweger.

Die Verwechslung wird dadurch verstärkt, dass die Sorben sich in ihrer eigenen Sprache Serbja (obersorbisch) und Serby (niedersorbisch) nennen und ihre Sprache serbšćina. Auf zweisprachigen Schildern in der Lausitz steht also „Serbski” – und meint sorbisch, nicht serbisch. Im Englischen heißen die Sorben Sorbs oder Wends; die ältere deutsche Bezeichnung Wenden ist noch in Ortsnamen wie Wendisch-Rietz erhalten.

Radwege durch das sorbische Siedlungsgebiet

Das sorbische Siedlungsgebiet erstreckt sich von Bautzen und Kamenz im Süden über Hoyerswerda bis in den Spreewald und nach Cottbus im Norden. Drei Radwege erschließen es:

RadwegAbschnittSorbische Kultur am Weg
FroschradwegWittichenau – Ralbitz – Panschwitz-KuckauKatholisches Kernland, Osterreiten, Kloster St. Marienstern
SpreeradwegBautzen – UhystSorbisches Museum, zweisprachige Stadt, Teichdörfer
GurkenradwegBurg – Lübbenau – StraupitzNiedersorbische Trachten, Freilandmuseum Lehde

Der Froschradweg zwischen Wittichenau und Panschwitz-Kuckau ist der Abschnitt, auf dem Sorbisch am stärksten im Alltag präsent ist – in Dorfläden, Kirchen und auf Grabsteinen. Am Ostersonntag reiten hier über 1.500 Osterreiter in Frack und Zylinder von Gemeinde zu Gemeinde; die Prozessionen sind der bekannteste sorbische Brauch.

Museen und Orte

Das Sorbische Museum in Bautzen auf der Ortenburg zeigt Geschichte, Trachten und Sprache; die Stadt ist Sitz der Domowina, des Sorbischen Instituts und des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters. Das Wendische Museum in Cottbus ist das niedersorbische Gegenstück. Das Freilandmuseum Lehde im Spreewald zeigt vier sorbische Höfe des 19. Jahrhunderts. Die Krabat-Mühle in Schwarzkollm bei Hoyerswerda widmet sich der bekanntesten sorbischen Sage – der Geschichte des Zauberlehrlings Krabat, die Otfried Preußler als Roman weltbekannt machte.

Feste im Jahreslauf

Radreisende, die ihre Tour nach dem sorbischen Kalender legen, erleben die Kultur am dichtesten: Vogelhochzeit am 25. Januar, Zampern (Fastnachtsumzüge) im Februar, Osterreiten am Ostersonntag, Maibaumwerfen im Mai, Fischwochen im Oktober. Die Feste finden in den Dörfern statt, nicht in den Städten – ein Grund, auf den Nebenstraßen zu bleiben.

Zweisprachigkeit unterwegs

Wer im sorbischen Gebiet radelt, sollte die zweisprachigen Schilder lesen lernen: Der deutsche Name steht oben, der sorbische darunter, in gleicher Schriftgröße. Wegweiser der Radrouten sind einsprachig deutsch, Ortstafeln, Straßenschilder und viele Hinweise an Kirchen und Museen zweisprachig. Ein paar Wörter helfen: Witajće k nam heißt Herzlich willkommen, hosćenc ist der Gasthof, cyrkej die Kirche. In den Dörfern um Ralbitz, Crostwitz und Panschwitz-Kuckau sprechen die Menschen im Alltag Sorbisch; Deutsch wird selbstverständlich verstanden. Ein Gruß auf Sorbisch – Dobry dźeń – wird überall freundlich aufgenommen.

Zweisprachige Namen unterwegs

Auf einer Radreise durch das sorbische Siedlungsgebiet fällt zuerst die Beschilderung auf: Ortstafeln nennen zwei Namen, den deutschen und den sorbischen, und beide sind amtlich. Manche Paare erklären sich von selbst – Bautzen und Budyšin, Cottbus und Chóśebuz –, andere lassen keinen Zusammenhang erkennen, weil der deutsche Name eine Übersetzung, eine Lautanpassung oder eine Neubildung ist.

Praktisch ist die Doppelung selten ein Problem, weil Karten und Navigationsgeräte die deutschen Namen führen. Interessant wird sie an den Details: Straßennamen, Kirchenaufschriften, Grabsteine und Vereinsschilder sind in den katholischen Dörfern westlich von Bautzen häufig nur sorbisch. Wer die Namen mitliest, erkennt an ihnen die Grenzen des Sprachgebiets genauer als an jeder Karte – dort, wo die zweite Zeile auf den Tafeln verschwindet, endet es.

Begegnungen unterwegs

Sorbisch ist keine Sprache für Touristen, und niemand erwartet, dass Gäste sie sprechen. Zwei Wörter genügen und werden freundlich aufgenommen: der Gruß und der Dank. In der Oberlausitz heißt der Gruß dobry dźeń, in der Niederlausitz dobry źeń; Dank ist dźakuju so beziehungsweise źěkujom se. Wer das versucht, macht sich nicht zum Kenner, zeigt aber, dass ihm die zweite Sprache aufgefallen ist.

Für die Reise selbst ist wichtiger, dass die Bräuche keine Vorführungen sind. Prozessionen, Gottesdienste und Feste laufen nach ihrem eigenen Kalender und ihrer eigenen Ordnung. Als Radfahrer heißt das: absteigen, wenn ein Zug kommt, warten, bis er vorbei ist, und nicht durch eine Prozession hindurchfahren, um Zeit zu sparen. Das ist die ganze Etikette – der Rest ergibt sich.

Häufige Fragen

Sind Sorben und Serben dasselbe Volk?

Nein. Sorben sind ein westslawisches Volk in der Lausitz; Serben ein südslawisches Volk auf dem Balkan. Die Namensähnlichkeit geht auf eine gemeinsame slawische Wurzel zurück, die Sprachen sind aber so verschieden wie Deutsch und Schwedisch. Im Sorbischen nennen sich die Sorben selbst Serbja (obersorbisch) bzw. Serby (niedersorbisch) – daher die Verwechslung.

Welcher Radweg zeigt am meisten von der sorbischen Kultur?

Der Froschradweg zwischen Wittichenau, Ralbitz, Panschwitz-Kuckau und Bautzen führt durch das katholisch-sorbische Kernland, in dem die Sprache im Alltag lebendig ist. Im Spreewald zeigt der Gurkenradweg die niedersorbische Kultur mit Trachten und Bräuchen.

Kann man Sorbisch auf Ortsschildern lesen?

Ja. Im gesamten sorbischen Siedlungsgebiet sind Orts-, Straßen- und viele Hinweisschilder zweisprachig. Bautzen heißt Budyšin, Cottbus Chóśebuz, Hoyerswerda Wojerecy.

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51°31′N 14°08′E