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Lausitzer Kohle – Braunkohletagebau in der Lausitz seit 1882

Das Lausitzer Revier ist das zweitgrößte Braunkohlegebiet Deutschlands. Seit den 1880er Jahren wird hier Kohle im Tagebau gefördert; in der DDR war die Lausitz der wichtigste Energielieferant des Landes. Heute laufen noch drei Tagebaue, der Ausstieg ist bis spätestens 2038 beschlossen, und aus den alten Gruben werden Seen.

3
aktive Tagebaue (2026)
136
abgebaggerte Orte seit 1924
2038
spätester Kohleausstieg

Das Revier

Das Lausitzer Braunkohlerevier erstreckt sich über den Südosten Brandenburgs und den Nordosten Sachsens – von Lauchhammer im Westen über Senftenberg, Spremberg und Cottbus bis nach Weißwasser im Osten. Die Kohle entstand vor 15 bis 20 Millionen Jahren aus Sumpfwäldern und liegt in zwei Hauptflözen, deren oberer, der zweite Lausitzer Flöz, in 40 bis 120 Metern Tiefe 10 bis 15 Meter mächtig ist. Diese Lage macht den Tagebau möglich: Abraumförderbrücken tragen die Deckschichten ab und verkippen sie hinter der Grube, Schaufelradbagger fördern die Kohle auf Bänder und Züge.

Heute sind drei Tagebaue in Betrieb – Welzow-Süd, Nochten und Reichwalde –, dazu die Kraftwerke Schwarze Pumpe und Boxberg und das auslaufende Kraftwerk Jänschwalde. Betreiber ist seit 2016 die LEAG.

Geschichte in Zahlen

JahrEreignis
1789Erster dokumentierter Kohlefund bei Lauchhammer
1882Brikettfabrik Louise in Domsdorf – Beginn der industriellen Nutzung
1924Erste Umsiedlung eines Ortes für den Tagebau
1955–1990Ausbau zum Energiezentrum der DDR, bis 200 Mio. t Kohle im Jahr
1957Baubeginn Kombinat Schwarze Pumpe und Neustadt Hoyerswerda
1990–1999Stilllegung von 17 Tagebauen, Beginn der Sanierung
2016Übernahme der Vattenfall-Sparte durch LEAG
2020Kohleausstiegsgesetz: Ende bis spätestens 2038
2023Tagebau Jänschwalde beendet den Abbau

Die abgebaggerten Dörfer

Seit 1924 wurden in der Lausitz 136 Orte ganz oder teilweise für den Tagebau abgebrochen, rund 30.000 Menschen umgesiedelt. Viele Dörfer lagen im sorbischen Siedlungsgebiet; mit ihnen verschwanden Kirchen, Friedhöfe und Dialekte. Gedenksteine an den Tagebaurändern, das Archiv verschwundener Orte in Forst-Horno und die Erlichthof-Siedlung in Rietschen, in die Schrotholzhäuser aus abgebaggerten Dörfern umgesetzt wurden, erinnern daran. Horno bei Forst, 2004 abgebaggert, war der letzte Fall, um den jahrelang gestritten wurde. Die letzten geplanten Umsiedlungen – Mühlrose für Nochten – wurden 2021 abgeschlossen; weitere sind seit dem Ausstiegsbeschluss ausgeschlossen.

Was aus den Gruben wird

Ein ausgekohlter Tagebau hinterlässt ein Restloch von mehreren Quadratkilometern und bis zu 100 Metern Tiefe. Die Sanierung – Böschungen abflachen, Kippen verdichten, Flutung mit Fluss- und Grundwasser – dauert Jahrzehnte. In der Lausitz sind seit 1990 mehr als zwanzig Restlöcher zu Seen geworden; das Lausitzer Seenland zwischen Senftenberg und Hoyerswerda ist mit rund 52 Quadratkilometern Wasserfläche in fünf großen Seen das Ergebnis. Der Sedlitzer See, letzter der Kette, erreichte 2025 seinen Zielwasserstand. Für die aktiven Tagebaue sind weitere Seen geplant: der Cottbuser Ostsee im ehemaligen Tagebau Cottbus-Nord wird seit 2019 geflutet und soll der größte künstliche See Deutschlands werden.

Kohle sehen

OrtWas zu sehen ist
Aussichtspunkte Welzow-SüdAbbaukante, Förderbrücke, Bagger im Betrieb
Förderbrücke F60, Lichterfeld502 m lange Abraumförderbrücke, begehbar, Besucherbergwerk
Kraftwerk PlessaErhaltenes Braunkohlekraftwerk von 1927, technisches Denkmal
Brikettfabrik Louise, DomsdorfÄlteste Brikettfabrik Europas, in Betrieb 1882–1991
Biotürme Lauchhammer24 Klinkertürme einer Kokerei, einziges erhaltenes Zeugnis
IBA-Terrassen GroßräschenAusstellung zum Wandel vom Tagebau zum See
Findlingspark Nochten7.000 Findlinge aus dem Tagebau als Park

Die Niederlausitzer Bergbautour verbindet diese Orte als Radrundweg von rund 500 Kilometern.

Der Ausstieg

Das Kohleausstiegsgesetz von 2020 legt das Ende der Braunkohleverstromung auf spätestens 2038 fest; für die Lausitz ist ein früheres Ende 2035 im Gespräch. Das Strukturstärkungsgesetz stellt der Region bis dahin 17 Milliarden Euro für den Umbau bereit – für Forschungseinrichtungen, Bahnstrecken, Industrieansiedlungen und die Seenlandschaft. Für die Landschaft bedeutet der Ausstieg: Die letzten drei Gruben werden Seen, und die Lausitz wird nach 150 Jahren aufhören, ein Revier zu sein.

Kohle und Wasser

Der Tagebau greift tief in den Wasserhaushalt ein. Um die Gruben trocken zu halten, wird das Grundwasser großflächig abgesenkt – in der Lausitz um bis zu 100 Meter; Flüsse wie die Spree führen in trockenen Sommern zu einem erheblichen Teil gehobenes Grubenwasser. Nach dem Ende des Abbaus muss das Wasser zurückkehren: Die Flutung der Restlöcher braucht Milliarden Kubikmeter, die aus Spree, Schwarzer Elster und Neiße abgezweigt werden, und der Wiederanstieg des Grundwassers dauert Jahrzehnte. Der Eisen- und Sulfateintrag aus den Kippen färbt Spree und kleine Fließe stellenweise braun – die „Verockerung”, die den Spreewald bedroht und mit Kalkung bekämpft wird. Der Kohleausstieg löst diese Probleme nicht sofort; er beendet nur ihre Ursache.

Technik im Tagebau

Wer die Landschaft verstehen will, kommt an der Technik nicht vorbei, denn sie bestimmt die Form der Gruben. Im Lausitzer Revier wird die Abdeckschicht über der Kohle – der Abraum – mit Förderbrücken bewegt, riesigen Stahlkonstruktionen, die den gesamten Tagebau überspannen und den Abraum von der Abbau- auf die Kippenseite tragen. Diese Bauweise ist eine Lausitzer Besonderheit; im rheinischen Revier arbeiten stattdessen einzelne Schaufelradbagger mit Bandanlagen.

Die Folge sieht man in jeder Karte: Lausitzer Tagebaue sind lange, schmale Streifen, die sich in einer Richtung durch die Landschaft schieben, weil die Brücke nur senkrecht zu ihrer Achse fahren kann. Wo die Förderung endete, blieb ein Restloch am Ende dieses Streifens – und daraus wurden die langgestreckten Seen der heutigen Seenkette. Ausgedientes Gerät ist an mehreren Orten begehbar: die Abraumförderbrücke F60 bei Lichterfeld, mit 502 Metern Länge das größte bewegliche technische Gerät der Welt, und Bagger in den Bergbaumuseen von Klettwitz und Knappenrode.

Wer die Folgen verwaltet

Die Sanierung der stillgelegten Tagebaue liegt nicht bei den Bergbaubetreibern allein. Für die Gruben der DDR-Zeit ist die bundeseigene Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft zuständig, die seit 1994 Kippen sichert, Ufer befestigt, Wasser einleitet und Flächen aus der Bergaufsicht entlässt. Für die noch aktiven Tagebaue haftet der Betreiber, der Rückstellungen für die Rekultivierung bilden muss.

Diese Aufteilung erklärt, warum im Seenland Ufer gesperrt sind, obwohl die Seen längst voll sind: Erst wenn ein Abschnitt standsicher ist und die Bergaufsicht ihn freigibt, darf er betreten und bebaut werden. Die Freigaben erfolgen abschnittsweise über Jahre. Für Reisende heißt das, den aktuellen Stand vor Ort zu erfragen – und Sperrungen ernst zu nehmen, weil Kippenböden verflüssigen können.

Häufige Fragen

Welche Tagebaue in der Lausitz sind noch aktiv?

Welzow-Süd bei Spremberg, Nochten und Reichwalde bei Weißwasser. Jänschwalde bei Cottbus hat den Abbau 2023 beendet. Alle liefern bzw. lieferten an die Kraftwerke Schwarze Pumpe, Boxberg und Jänschwalde.

Kann man einen Tagebau in der Lausitz besichtigen?

Ja. An Welzow-Süd, Nochten und Jänschwalde gibt es öffentliche Aussichtspunkte am Tagebaurand. Fahrten in den Tagebau mit Geländefahrzeugen bieten Anbieter vor Ort an. Die Förderbrücke F60 in Lichterfeld ist als Besucherbergwerk begehbar.

Warum wird die Braunkohle im Tagebau abgebaut?

Weil die Flöze flach liegen – in der Lausitz 40 bis 120 Meter unter der Oberfläche in Schichten von 10 bis 15 Metern Dicke. Der Abraum darüber wird mit Förderbrücken abgetragen und hinter dem Tagebau wieder verkippt; die Grube wandert durch die Landschaft.

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51°31′N 14°08′E