Region · Landschaft
Die Muskauer Heide – Kiefern, Dünen und der Faltenbogen an der Neiße
Die Muskauer Heide ist das größte geschlossene Waldgebiet der Oberlausitz: Kiefern auf Sand, durchzogen von Dünen, Mooren und den Spuren des Bergbaus. Hier kehrten im Jahr 2000 die ersten Wölfe nach Deutschland zurück, hier liegt der Muskauer Faltenbogen – eine Stauchmoräne, die der UNESCO als Geopark gilt – und hier fährt die Waldeisenbahn zwischen Weißwasser und Bad Muskau.
- ~500km²
- Heidegebiet (gerundet)
- 2000
- Rückkehr der Wölfe
- 40km
- Länge des Faltenbogens
Eine Landschaft aus Sand
Die Muskauer Heide ist ein Kiefernwaldgebiet auf den Sanden und Dünen, die der Schmelzwasserabfluss der Eiszeit hinterließ. Sie erstreckt sich von Weißwasser und Bad Muskau im Norden über Rietschen bis an die Grenze des Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft im Süden. Der Boden ist nährstoffarm, das Grundwasser tief; Ackerbau lohnte nie, und so blieb der Wald. Er war über Jahrhunderte Jagdgebiet der Standesherren von Muskau, dann Lieferant für die Glashütten, im 20. Jahrhundert Truppenübungsplatz und Tagebaugebiet. Heute ist die Heide dünn besiedelt, von wenigen Straßen durchschnitten und das Gebiet mit der höchsten Wolfsdichte Deutschlands.
Der Muskauer Faltenbogen
Unter der Heide liegt eine geologische Besonderheit: Vor rund 340.000 Jahren schob ein Gletscher der Saale-Eiszeit die Schichten des Untergrunds zu einem Bogen von 40 Kilometern Länge zusammen, der sich von Weißwasser über Bad Muskau nach Polen bis Łęknica und Trzebiel spannt. Die Braunkohleflöze wurden dabei senkrecht gestellt und reichten stellenweise bis an die Oberfläche – der Grund, warum hier im 19. Jahrhundert früh und in vielen kleinen Gruben Kohle, Ton und Alaun abgebaut wurden. Die Gruben hinterließen hunderte kleine Restlöcher, die sich mit Wasser füllten; ihre Farben – rostrot, türkis, schwarz – kommen von Eisen und Schwefel im Wasser. Seit 2015 ist der Faltenbogen UNESCO Global Geopark mit Geopfaden auf deutscher und polnischer Seite.
Die Wölfe
Im Jahr 2000 wurde auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz in der Muskauer Heide der erste Wolfswurf in Deutschland seit über hundert Jahren nachgewiesen. Von hier breiteten sich die Tiere über Sachsen, Brandenburg und ganz Deutschland aus. Die Heide bietet, was Wölfe brauchen: große ungestörte Flächen, Wild, wenig Verkehr. Das Wolfsbüro im Erlichthof Rietschen ist die Informationsstelle; es dokumentiert die Rudel, berät Tierhalter und bietet Führungen an. Sichtungen sind selten – Wölfe meiden Menschen –, Spuren auf Sandwegen dagegen häufig.
Glas, Kohle, Militär
Die Heide war nie unberührt. Ab dem 19. Jahrhundert wurde Weißwasser zum größten Glasstandort Europas: Sand, Holz und Kohle lagen vor Ort, die Bahn brachte die Ware nach Berlin. Um 1900 arbeiteten zwölf Glashütten in der Stadt; das Glasmuseum zeigt die Geschichte. Der Braunkohleabbau begann im Faltenbogen mit kleinen Gruben und endete im 20. Jahrhundert mit den Großtagebauen Nochten und Reichwalde am Südrand der Heide, die bis heute fördern. Der Truppenübungsplatz Oberlausitz, seit 1930 militärisch genutzt, nimmt den Kern der Heide ein und ist gesperrt – was ihn zum Rückzugsraum für Wölfe, Auerhühner und Sandheiden machte.
Ausflugsziele
| Ziel | Was es ist |
|---|---|
| Muskauer Park, Bad Muskau | Pücklers Landschaftspark an der Neiße, UNESCO-Welterbe |
| Waldeisenbahn Muskau | Schmalspurbahn (600 mm) Weißwasser – Bad Muskau – Kromlau, ehemals Werksbahn der Glashütten |
| Kromlauer Park | Rhododendren und die Rakotzbrücke von 1860 |
| Erlichthof Rietschen | Schrotholzhäuser aus abgebaggerten Dörfern, Wolfsbüro, Gastronomie |
| Findlingspark Nochten | 7.000 Findlinge aus dem Tagebau als Themengarten |
| Geopfad Faltenbogen | Rundwege zu Restlöchern und Aufschlüssen bei Weißwasser und Bad Muskau |
| Glasmuseum Weißwasser | Glasgeschichte des einst größten Glasstandorts Europas |
Unterwegs in der Heide
Die Heide ist Rad- und Wanderland. Der Fürst-Pückler-Weg und der Oder-Neiße-Radweg berühren sie am Nord- und Ostrand, der Froschradweg am Süden; die Wege im Inneren sind sandig und für Tourenräder mit breiter Bereifung geeignet. Wanderwege führen zu Aussichtspunkten am Tagebau Nochten und durch den Geopark. Der Truppenübungsplatz ist Sperrgebiet; Wege, die ihn queren, sind markiert und gesperrt. Beste Zeit ist der Spätsommer, wenn die Heide blüht, und der Herbst mit den Farben der Restlöcher im Faltenbogen. Bad Muskau, Weißwasser und Rietschen haben Bahnanschluss; Bad Muskau ist der Ort mit den meisten Unterkünften.
Wasser in einer trockenen Landschaft
Die Heide ist arm an oberflächlichem Wasser, und das prägt jede Tour. Bäche versickern im Sand, Quellen gibt es kaum, die Neiße bildet die Grenze im Osten. Umso auffälliger sind die künstlichen Gewässer: die Teiche im Kromlauer Park, die Muskauer Neißearme und die hunderte Restlöcher des Faltenbogens, die kleiner sind als ein Fußballfeld und dafür ungewöhnlich tief.
Baden ist in den Restlöchern nicht möglich und nicht erlaubt. Ihr Wasser ist durch Eisen- und Schwefelverbindungen stark saurer als Regenwasser, die Ufer sind steil und rutschig, viele Löcher liegen in gesperrtem Bergbaugelände. Wer im Sommer schwimmen will, fährt an den Bärwalder See oder in die Seenkette bei Geierswalde. Die Restlöcher sind ein Ziel für die Augen und für den Geopfad – ihre Farben wechseln mit dem Lichteinfall, was Fotografen in den Morgenstunden hierher zieht.
Praktisches für den Besuch
Die Wege im Inneren der Heide sind Sandwege. Nach trockenen Wochen sind sie weich, nach Regen fest; Räder mit breiter Bereifung sind im Vorteil, Rennräder gehören auf die Straßen am Rand. Mobilfunkempfang ist lückenhaft, weshalb Karten und Tracks vor der Abfahrt geladen sein sollten. Zwischen den Dörfern liegen längere Abschnitte ohne Einkehr, und die Gasthöfe schließen früher als in den Städten – Vorrat an Wasser gehört ins Gepäck.
Die Waldeisenbahn Muskau verkehrt saisonal, überwiegend an Wochenenden und Feiertagen, und nimmt Fahrräder in begrenzter Zahl mit; für Familien ist sie die einfachste Art, Weißwasser, Kromlau und Bad Muskau zu verbinden. Der Truppenübungsplatz im Kern der Heide bleibt gesperrt, auch dort, wo Wege eingezeichnet sind. Bad Muskau ist der günstigste Standort für mehrere Tage, Weißwasser der bessere für Anreise mit der Bahn.
Häufige Fragen
Wo liegt die Muskauer Heide?
Im Nordosten der sächsischen Oberlausitz zwischen Weißwasser, Bad Muskau, Rietschen und der Neiße, mit Ausläufern nach Brandenburg bei Spremberg. Sie ist von Cottbus, Görlitz und Hoyerswerda jeweils in einer Stunde erreichbar.
Kann man in der Muskauer Heide Wölfe sehen?
Sehr selten – Wölfe meiden Menschen. Spuren im Sand sind häufig. Das Wolfsbüro im Erlichthof Rietschen informiert über die Rudel; geführte Wanderungen zeigen Fährten, Losung und Rissreste.
Was ist der Muskauer Faltenbogen?
Eine hufeisenförmige Stauchendmoräne von 40 Kilometern Länge, die ein Gletscher vor 340.000 Jahren aufschob. Er reicht von Weißwasser über Bad Muskau bis nach Polen und ist seit 2015 UNESCO Global Geopark – der Braunkohleabbau folgte seinen aufgestellten Flözen seit dem 19. Jahrhundert.