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Radreisen · Kulturrouten

Via Sacra und Via Regia – die Kulturrouten der Oberlausitz mit dem Rad

Die Oberlausitz hat zwei Kulturrouten, die sich mit dem Rad verbinden lassen. Die Via Sacra führt zu Klöstern, Kirchen und Kunstwerken im Dreiländereck; die Via Regia folgt der mittelalterlichen Handelsstraße von Görlitz über Bautzen nach Westen. Beide sind Themenrouten, keine Radwege – gefahren wird auf den Fernradwegen und regionalen Verbindungen.

16
Stationen der Via Sacra (D, PL, CZ)
1234
Gründung Kloster St. Marienthal
2
Länderübergreifende Routen

Zwei Routen, ein Raum

Die Oberlausitz liegt im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien. Zwei Kulturrouten erschließen diesen Raum: die Via Sacra, die seit 2005 sakrale Bauwerke und Kunstwerke in den drei Ländern verbindet, und die Via Regia, die alte Königs- und Handelsstraße, die vom Rhein über Leipzig, Bautzen und Görlitz nach Schlesien und weiter nach Kiew führte. Beide Routen sind keine Radwege im eigentlichen Sinn – sie haben keine eigene Beschilderung für Radfahrende. Ihre Stationen liegen jedoch dicht an den Fernradwegen der Region, sodass sich beide in einer Radreise erfahren lassen.

Die Via Sacra

Die Via Sacra verbindet 16 Stationen in der Oberlausitz, Niederschlesien und Nordböhmen. Auf deutscher Seite gehören dazu das Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal bei Ostritz, 1234 gegründet und seit fast 800 Jahren ununterbrochen bewohnt; das Heilige Grab in Görlitz, eine um 1500 errichtete Nachbildung der Jerusalemer Grabeskirche; der Dom St. Petri in Bautzen, seit 1524 Simultankirche für katholische und evangelische Gemeinde; das Zittauer Fastentuch von 1472, eines der größten erhaltenen Fastentücher Europas; und das Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau im Zentrum des katholischen Sorbenlands.

Für Radreisende ergibt sich daraus eine Route von Zittau über Ostritz und Görlitz nach Bautzen und Panschwitz-Kuckau – etwa 150 Kilometer, aufgeteilt in drei Etappen. Die Abschnitte Zittau–Görlitz und Görlitz–Bautzen nutzen den Oder-Neiße-Radweg und regionale Verbindungen; von Bautzen nach Panschwitz-Kuckau führt der Radweg entlang der Straße nach Kamenz.

Die Via Regia

Die Via Regia war über Jahrhunderte die wichtigste West-Ost-Verbindung Mitteleuropas. In der Oberlausitz verlief sie von Görlitz über Reichenbach, Löbau und Bautzen nach Kamenz und weiter nach Großenhain. Die Städte am Weg verdanken ihr ihren Wohlstand: Görlitz als Handelsplatz für Tuch und Waid, Bautzen als Hauptstadt des Landes, Löbau und Kamenz als Marktorte. Der Sechsstädtebund von 1346 – Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau – sicherte die Straße gegen Raubritter.

Wer die Via Regia mit dem Rad folgt, fährt von Görlitz nach Westen: über Reichenbach und Löbau nach Bautzen (etwa 60 km), dann über Kamenz nach Königsbrück (etwa 45 km). Die Strecke ist wellig; das Oberlausitzer Bergland und der Löbauer Berg mit dem gusseisernen Aussichtsturm von 1854 sorgen für Höhenmeter. Die Wege verlaufen auf Radrouten entlang der Bundesstraße 6 und auf Nebenstraßen.

Kombination in einer Woche

Beide Routen lassen sich zu einer Rundreise verbinden:

TagAbschnittca. kmStationen
1Zittau – Ostritz – Görlitz40Fastentuch, St. Marienthal, Heiliges Grab
2Görlitz – Löbau – Bautzen60Via Regia, Löbauer Berg
3Bautzen – Panschwitz-Kuckau – Kamenz35Dom, St. Marienstern, Lessingstadt
4Kamenz – Bautzen – Zittau (Bahn)45Rückweg über die Bahn

Anreise

Zittau, Görlitz, Bautzen und Kamenz haben Bahnanschluss aus Dresden. Die Fahrradmitnahme im Regionalverkehr ist möglich; die Rückfahrt von Kamenz nach Zittau führt über Bischofswerda und Dresden oder über Görlitz.

Löbau und der gusseiserne Turm

Zwischen Görlitz und Bautzen liegt Löbau, eine der sechs Städte des Bundes von 1346. Über der Stadt steht auf dem Löbauer Berg der König-Friedrich-August-Turm von 1854, der einzige gusseiserne Aussichtsturm Europas – 28 Meter hoch, aus vorgefertigten Gussteilen zusammengesetzt, ein Denkmal der frühen Industrialisierung in der Oberlausitz. Der Anstieg auf den Berg ist mit dem Rad möglich, aber steil; die Aussicht reicht bei klarem Wetter bis zum Zittauer Gebirge und zum Riesengebirge. Löbau selbst hat einen gut erhaltenen Marktplatz mit Rathaus und die Nikolaikirche mit Resten der Stadtbefestigung.

Höhenmeter und Untergrund

Anders als die Wege der Niederlausitz sind beide Kulturrouten hügelig. Die Oberlausitz steigt vom Spreetal bei Bautzen nach Süden hin an; zwischen Löbau, Herrnhut und Zittau liegen die Granitkuppen des Berglands, und die Anstiege sind kurz, aber steil. Für eine Tagesetappe von sechzig Kilometern sind mehrere hundert Höhenmeter zu rechnen – wenig im Vergleich zum Mittelgebirge, deutlich mehr als an den Seen.

Der Untergrund ist überwiegend asphaltiert, weil die Routen Straßen und Wirtschaftswege zwischen den Orten nutzen. In den Klosterlandschaften und entlang der Neiße kommen wassergebundene Abschnitte hinzu. Wer mit Kindern oder Anhänger unterwegs ist, plant kürzere Etappen und nutzt die Regionalbahn zwischen Bautzen, Löbau, Zittau und Görlitz als Rückfallebene; alle vier Städte liegen an der Bahn.

Wann die Stationen offen sind

Die Stationen der Via Sacra sind Kirchen, Klöster und Museen, und ihre Öffnungszeiten bestimmen den Tagesablauf stärker als die Kilometer. Dorfkirchen sind häufig verschlossen; der Schlüssel liegt im Pfarramt oder beim Nachbarhaus, was ein Anruf am Vortag klärt. Die großen Häuser – das Kloster St. Marienthal bei Ostritz, St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau, das Heilige Grab und die Peterskirche in Görlitz – sind regelmäßig geöffnet, führen aber feste Führungszeiten und schließen während der Gottesdienste.

Das Große Zittauer Fastentuch von 1472 hängt in der Museumskirche Heiligkreuz und ist ganzjährig zu sehen; das Kleine Fastentuch wird nur in der Fastenzeit gezeigt. Wer die Route in der Karwoche fährt, trifft auf Prozessionen und vollere Kirchen, aber auch auf verkürzte Besichtigungszeiten.

Häufige Fragen

Gibt es einen Via-Regia-Radweg?

Die Via Regia ist eine Kulturroute, kein ausgeschilderter Radweg. Ihre Stationen zwischen Görlitz, Bautzen und Kamenz sind über den Spreeradweg, den Oder-Neiße-Radweg und regionale Radrouten verbunden; die Route lässt sich in drei bis vier Tagen abfahren.

Was ist der Unterschied zwischen Via Sacra und Via Regia?

Die Via Sacra verbindet sakrale Kunstwerke und Klöster im Dreiländereck Deutschland–Polen–Tschechien. Die Via Regia ist die alte Königsstraße, eine Handelsroute von Kiew nach Santiago de Compostela, deren Oberlausitzer Abschnitt über Görlitz und Bautzen führt.

Welche Station ist mit dem Rad am besten erreichbar?

Das Kloster St. Marienthal bei Ostritz liegt direkt am Oder-Neiße-Radweg. Görlitz mit dem Heiligen Grab und Bautzen mit dem Dom St. Petri liegen am Oder-Neiße- bzw. Spreeradweg.

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51°31′N 14°08′E