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Radreisen · Fürst-Pückler-Weg

Parks, Tagebau und Seenland – drei Landschaften am Fürst-Pückler-Weg

Kaum ein Radweg zeigt den Wandel einer Landschaft so vollständig wie der Fürst-Pückler-Weg. Gestaltete Parks des 19. Jahrhunderts, der laufende Braunkohleabbau und die aus ehemaligen Gruben entstandenen Seen liegen wenige Tagesetappen auseinander – und hängen historisch zusammen.

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Landschaftstypen auf einem Weg
1815
Beginn der Parkanlage in Muskau
2025
Flutungsende der Seenkette

Drei Landschaften, eine Geschichte

Der Fürst-Pückler-Weg trägt den Namen eines Gartenkünstlers und führt durch eine Bergbauregion. Was wie ein Widerspruch klingt, ist das eigentliche Thema des Weges: Die Niederlausitz ist seit zwei Jahrhunderten eine Landschaft, die von Menschen gestaltet wird – zuerst von Fürst Pückler mit Spaten und Pflanzplan, dann vom Braunkohlebergbau mit Förderbrücken, heute von der Rekultivierung, die aus Gruben Seen macht. Wer den Weg fährt, erlebt diese drei Stufen nacheinander.

Erste Landschaft: die Parks

In Bad Muskau begann Hermann von Pückler 1815, das Neißetal zu einem Landschaftspark umzuformen. Er ließ Flussarme graben, Hügel aufschütten und tausende Bäume versetzen, um Sichtachsen zwischen Schloss, Bergpark und Neißeauen zu schaffen. Das Ergebnis gilt als Höhepunkt der Landschaftsgartenkunst in Zentraleuropa und ist seit 2004 UNESCO-Welterbe.

In Branitz bei Cottbus wiederholte Pückler ab 1846 das Prinzip auf flachem Gelände. Aus einer ebenen Feldmark schuf er ein Relief aus Seen, Hügeln und Wegen. Die beiden Erdpyramiden – die Seepyramide ist sein Grab – zeigen, wie weit er bereit war, Landschaft zu modellieren. Beide Parks liegen direkt am Weg.

Zweite Landschaft: der Tagebau

Zwischen Spremberg und Senftenberg passiert der Weg den Tagebau Welzow-Süd. Hier wird seit 1966 Braunkohle abgebaut; die Abraumförderbrücke F60-Typ, die Bagger und die kilometerlange Abbaukante sind von den Aussichtspunkten am Tagebaurand sichtbar. Der Kontrast zu Pücklers Parks ist beabsichtigt: Auch der Tagebau formt Landschaft, nur in anderem Maßstab. Auf der Kippenseite beginnt die Rekultivierung – Aufforstung, Landwirtschaft, erste Wasserflächen.

Weiter nördlich bei Peitz liegt der Tagebau Jänschwalde, der 2023 den Abbau beendet hat. Er zeigt die Übergangsphase: Die Förderbrücke steht still, die Grube wird für die Flutung vorbereitet.

Dritte Landschaft: das Seenland

Um Senftenberg und Großräschen ist die Umgestaltung abgeschlossen. Die Tagebaue Niemtsch, Koschen, Scado, Sedlitz und Meuro sind seit 1967 schrittweise geflutet worden; 2025 erreichte der Sedlitzer See als letzter seinen Zielwasserstand. Die fünf Seen bilden mit rund 52 Quadratkilometern die größte künstliche Wasserlandschaft Europas.

Die schwimmenden Häuser im Hafen Geierswalde sind das Sinnbild dieser dritten Landschaft: Wohnen auf dem Wasser, wo vor fünfzig Jahren ein Tagebau lag. Vom Fürst-Pückler-Weg ist der Hafen über die Seenland-Route in wenigen Kilometern erreichbar; der Leuchtturm dient als Landmarke.

Die IBA als Bindeglied

Zwischen 2000 und 2010 lief in der Niederlausitz die Internationale Bauausstellung „Fürst-Pückler-Land”. Sie stellte den Gedanken, dass Bergbaufolgelandschaft gestaltet werden kann wie ein Park, in den Mittelpunkt: Aussichtstürme wie der Rostige Nagel, die Seebrücke am Sedlitzer See, die IBA-Terrassen in Großräschen und die schwimmenden Häuser sind Projekte dieser Zeit. Der Fürst-Pückler-Weg wurde als verbindende Route konzipiert – daher sein Name und sein Verlauf.

Praktische Hinweise

Die drei Landschaften liegen auf den Etappen zwischen Cottbus, Bad Muskau, Spremberg und Senftenberg. Für die Parks sind jeweils ein halber Tag einzuplanen, für die Aussichtspunkte am Tagebau eine Stunde, für das Seenland ein bis zwei Tage mit Baden und Hafenbesuch. Die Radwege zwischen den Stationen sind asphaltiert und eben; einzig die Kippenböschungen um die Seen bringen kurze Anstiege.

Zeitmaße der drei Landschaften

Pücklers Parks brauchten Jahrzehnte, bis die gepflanzten Bäume die geplanten Bilder ergaben – in Muskau arbeitete er 30 Jahre, ohne das Ergebnis reif zu sehen. Ein Tagebau wandert dagegen um mehrere hundert Meter im Jahr; die Landschaft, die Radreisende von den Aussichtspunkten sehen, ist in fünf Jahren eine andere. Die Flutung eines Sees dauert je nach Wasserzufluhr zehn bis dreißig Jahre: Der Senftenberger See war nach fünf Jahren voll, der Sedlitzer brauchte von 1998 bis 2025. Der Weg macht diese Zeitmaße sichtbar, weil er alle drei Stadien in einer Woche verbindet.

Was der Vergleich der drei Landschaften zeigt

Nebeneinandergestellt beantworten die drei Landschaften eine Frage, die sonst abstrakt bleibt: Was heißt es, eine Landschaft zu machen? Pückler arbeitete mit Sichtachsen, Baumgruppen und Wasserflächen und brauchte Jahrzehnte für einen Park von wenigen hundert Hektar. Der Tagebau bewegt in einem Jahr mehr Erde, als für sämtliche Parks der Region nötig war, und hinterlässt eine Form, die niemand entworfen hat. Die Seenkette schließlich ist geplant – Pegel, Kanäle, Ufer, Wege –, aber ihr Charakter entsteht erst mit der Zeit.

Aus dieser Reihung ergibt sich auch das Maß für die Bewertung. Der Park ist fertig und wird gepflegt; der Tagebau ist Betrieb; die Seen sind ein Anfang, dessen Ergebnis in fünfzig Jahren zu sehen sein wird. Wer den Weg fährt und beides – Kunstwerk und Kippenlandschaft – als Landschaftsgestaltung liest, sieht die Region schärfer, als es die Einteilung in Natur und Industrie erlaubt.

Den Abschnitt allein fahren

Die Landschaftsabfolge lässt sich auch ohne den kompletten Rundkurs erleben. Als Tagestour eignet sich der Abschnitt Senftenberg – Welzow – Spremberg mit den Aussichtspunkten am Tagebau und der Rückfahrt per Bahn; als Zweitagestour Cottbus – Senftenberg mit Branitzer Park am Anfang und der Seenkette am Ende.

Für beide Varianten sind zwei Hinweise wichtig. Die Aussichtspunkte am aktiven Tagebau liegen an Straßen ohne Radweg auf kurzen Abschnitten; Vorsicht bei Werksverkehr ist angebracht. Und zwischen den Stationen gibt es kaum Schatten und selten Einkehr – die Strecke führt über Kippenflächen mit junger Bepflanzung. Wasser, Kopfbedeckung und ein Blick auf die Öffnungszeiten der Ausstellungen entscheiden über den Erfolg des Tages mehr als die Kondition.

Häufige Fragen

Was verbindet Pücklers Parks mit dem Tagebau?

Beides ist gestaltete Landschaft. Pückler formte Täler und Hügel nach ästhetischen Regeln; die Rekultivierung der Tagebaue folgt heute ähnlichen Ideen von Sichtachsen, Uferlinien und Aussichtspunkten – die IBA Fürst-Pückler-Land (2000–2010) hat diese Verbindung ausdrücklich zum Programm gemacht.

Wo sind die schwimmenden Häuser in Geierswalde?

Im Hafen am Südufer des Geierswalder Sees, direkt an der Seenland-Route und wenige Kilometer vom Fürst-Pückler-Weg entfernt. Sie sind vom Uferweg und vom Leuchtturm des Hafens aus zu sehen.

Kann man einen aktiven Tagebau besichtigen?

Am Tagebau Welzow-Süd gibt es öffentliche Aussichtspunkte am Tagebaurand. Fahrten in den Tagebau selbst werden von Anbietern vor Ort mit Geländefahrzeugen angeboten und müssen vorab gebucht werden.

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51°31′N 14°08′E