Radreisen · Oder-Neiße-Radweg
Der Oder-Neiße-Radweg: Karte, Etappen und Erfahrungen
Der Oder-Neiße-Radweg folgt der deutsch-polnischen Grenze von der Neißequelle im Isergebirge bis zur Ostsee bei Ahlbeck. Der Lausitzer Abschnitt zwischen Zittau und Guben ist der landschaftlich abwechslungsreichste – mit Görlitz, dem Muskauer Park und der Neißeaue.
- 630km
- Gesamtlänge (gerundet)
- 2
- Flüsse: Neiße und Oder
- 1
- UNESCO-Welterbe am Weg (Muskauer Park)
Ein Weg an zwei Flüssen
Der Oder-Neiße-Radweg ist einer der längsten Flussradwege Deutschlands. Er beginnt an der Neißequelle bei Nová Ves nad Nisou im tschechischen Isergebirge, erreicht bei Zittau deutsches Gebiet und folgt der Lausitzer Neiße bis zu ihrer Mündung in die Oder bei Ratzdorf. Von dort begleitet er die Oder über Frankfurt, Schwedt und Stettin bis zur Ostseeküste bei Ahlbeck auf Usedom. Die Gesamtlänge liegt bei rund 630 Kilometern, von denen etwa 200 durch die Lausitz führen.
Der Lausitzer Abschnitt ist der Teil mit den meisten Städten, den meisten Brücken und dem stärksten Landschaftswechsel: vom Zittauer Gebirge über die Görlitzer Altstadt und den Muskauer Park bis in die weiten Auen um Forst und Guben.
Etappen in der Lausitz
| Etappe | Von – nach | ca. km | Charakter |
|---|---|---|---|
| 1 | Zittau – Görlitz | 40 | Neißetal, Ostritz, Kloster St. Marienthal |
| 2 | Görlitz – Bad Muskau | 55 | Neißeaue, Rothenburg, Muskauer Park |
| 3 | Bad Muskau – Forst | 45 | Faltenbogen, Rosengarten Forst |
| 4 | Forst – Guben | 30 | Deichwege, Neißemündung bei Ratzdorf (Abstecher) |
Wer den gesamten Weg fährt, plant für die Lausitz vier bis fünf Tage und für die Oder weitere sieben bis neun. Für eine Wochenreise ist der Abschnitt Zittau–Frankfurt (Oder) eine geschlossene Einheit mit Bahnanschluss an beiden Enden.
Görlitz und die geteilte Stadt
Görlitz ist der Höhepunkt des südlichen Abschnitts. Die Altstadt mit über 4.000 denkmalgeschützten Gebäuden aus Gotik, Renaissance und Barock blieb im Zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstört. Die Neiße teilt die Stadt seit 1945: Das östliche Ufer gehört als Zgorzelec zu Polen. Die Altstadtbrücke verbindet beide Seiten; Radreisende können die Stadt auf beiden Ufern erleben und den Weg wahlweise auf deutscher oder polnischer Seite fortsetzen. Wenige Kilometer nördlich, bei Zodel-Deschka, liegt der östlichste Punkt Deutschlands – eine Tafel am Deich markiert ihn.
Der Muskauer Park
Zwischen Görlitz und Forst passiert der Weg Bad Muskau. Der Muskauer Park, angelegt von Fürst Hermann von Pückler-Muskau ab 1815, ist mit über 800 Hektar der größte Landschaftspark Zentraleuropas und seit 2004 UNESCO-Welterbe. Auch er wird von der Neiße geteilt; zwei Brücken verbinden den deutschen und den polnischen Teil. Der Radweg führt am Westrand des Parks vorbei; ein Rundgang durch den Park mit dem Neuen Schloss, dem Bergpark und den Neißeauen ist ein halber Tag.
Wegequalität und Erfahrungen
Erfahrungsberichte zum Oder-Neiße-Radweg nennen regelmäßig drei Punkte. Erstens die Deichwege: Sie sind eben, verkehrsfrei und gut asphaltiert, bieten aber wenig Schatten und bei Westwind wenig Schutz – der Weg verläuft von Süd nach Nord, sodass Rückenwind selten ist. Zweitens die Plattenabschnitte zwischen Bad Muskau und Forst, die mit schmalen Reifen unangenehm sind. Drittens die dünne Infrastruktur zwischen den Städten: Zwischen Rothenburg und Bad Muskau sowie zwischen Forst und Guben gibt es auf 30 bis 40 Kilometern kaum Einkehrmöglichkeiten; Verpflegung sollte mitgeführt werden.
Positiv hervorgehoben werden die Grenzsituation mit dem einfachen Seitenwechsel, die Ruhe der Neißeaue und die Qualität der Beschilderung, die auf deutscher Seite dem grün-weißen Logo mit dem stilisierten Fluss folgt.
Karte und Anreise
Der Weg ist in Spiralkarten im Maßstab 1:50.000 in zwei Bänden abgebildet; für den Lausitzer Abschnitt genügt der erste. Zittau ist von Dresden mit der Bahn erreichbar; Görlitz, Forst und Guben haben Regionalbahnanschluss nach Cottbus und Berlin. Wer nur die Lausitz fährt, kehrt von Guben über Cottbus zurück.
Zittau und das Dreiländereck
Der Lausitzer Abschnitt beginnt in Zittau, wo Deutschland, Polen und Tschechien am Dreiländerpunkt an der Neiße zusammentreffen. Die Stadt ist für das Große Zittauer Fastentuch von 1472 bekannt, das im Museum Kirche zum Heiligen Kreuz hängt, und für die Schmalspurbahn ins Zittauer Gebirge. Von Zittau aus fährt der Radweg zunächst durch das enge Neißetal nach Hirschfelde und Ostritz; das Kloster St. Marienthal liegt direkt am Weg. Wer einen Tag zusätzlich hat, fährt vor dem Start mit der Schmalspurbahn nach Oybin und wandert zur Burg- und Klosterruine auf dem Berg.
Grenze fahren
Der Radweg verläuft auf der deutschen Seite, aber die polnische ist immer in Sichtweite, und die Brücken machen den Wechsel einfach. Zwischen Zittau und Guben gibt es mehrere Übergänge – in Zittau, Görlitz, Bad Muskau, Forst und Guben –, die zu Fuß und mit dem Rad passierbar sind; Kontrollen finden im Schengenraum stichprobenartig statt, ein Ausweis gehört ins Gepäck.
Auf der anderen Seite lohnt der Abstecher aus mehreren Gründen. Der Muskauer Park hat seinen größeren Teil in Polen, mit dem Neuen Schloss und den Brücken über die Neiße als Verbindung. Zgorzelec gegenüber von Görlitz zeigt, wie eine Stadt aussieht, die 1945 geteilt wurde: dieselbe Architektur, zwei Verwaltungen, zwei Sprachen. Und die polnische Uferseite hat streckenweise eigene Radwege, die als Alternative zur deutschen Route gefahren werden können. Preise für Verpflegung sind auf der polnischen Seite meist niedriger, Zahlung mit Karte üblich.
Der Fluss und seine Hochwasser
Neiße und Oder sind Grenzflüsse mit erheblichen Wasserstandsschwankungen, und der Radweg liegt in der Aue. Nach starken Regenfällen im Isergebirge steigt die Neiße schnell – Hochwasser 1897, 1958, 1981 und 2010 haben Brücken und Uferwege beschädigt, in Görlitz und Zittau bis in die Innenstädte. Einzelne Abschnitte des Radwegs sind deshalb auf Dämme verlegt oder werden bei Hochwasser gesperrt.
Praktisch betrifft das vor allem das Frühjahr und den Spätsommer. Vor mehrtägigen Touren lohnt ein Blick auf die Pegelstände und die Hinweise der Landkreise; Sperrungen werden an den Zugängen ausgeschildert und sind meist kurz zu umfahren. Im Normalfall ist der Weg gut befahrbar, überwiegend asphaltiert und flach – die einzige nennenswerte Steigung liegt am Beginn im Isergebirge, wo die Route von der Quelle absteigt.
Häufige Fragen
Wo liegt der östlichste Ort Deutschlands am Oder-Neiße-Radweg?
In Görlitz. Der östlichste Punkt Deutschlands liegt an der Neiße im Görlitzer Stadtteil Zodel-Deschka; der Radweg passiert ihn wenige Kilometer nördlich der Altstadt.
Kann man auf dem Oder-Neiße-Radweg die Seite wechseln?
Ja. Zwischen Zittau und Küstrin gibt es zahlreiche Brücken; auf polnischer Seite verläuft ein Parallelweg, der abschnittsweise besser ausgebaut ist. Ein Ausweisdokument genügt.
Wie ist die Wegequalität?
Der Lausitzer Abschnitt ist überwiegend asphaltiert und verläuft auf Deichkronen. Zwischen Bad Muskau und Forst gibt es längere Abschnitte mit Betonplatten; nördlich von Guben dominieren wieder asphaltierte Deichwege.