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Radreisen · Bergbautour

Die Niederlausitzer Bergbautour: mit dem Rad durchs Revier

Die Niederlausitzer Bergbautour ist der Radweg der Industriekultur. Sie verbindet die Zeugnisse von 150 Jahren Braunkohlebergbau im Lausitzer Revier – stillgelegte Kraftwerke, Brikettfabriken, die Förderbrücke F60 und die Tagebaue, aus denen Seen wurden.

500km
Rundkurs (gerundet)
502m
Länge der Förderbrücke F60
1882
Beginn des industriellen Abbaus

Ein Radweg durch 150 Jahre Bergbau

Das Lausitzer Revier ist nach dem Rheinischen Revier das zweitgrößte Braunkohlegebiet Deutschlands. Der industrielle Abbau begann in den 1880er Jahren; in der DDR wurde die Lausitz zum wichtigsten Energielieferanten des Landes, mit bis zu 200 Millionen Tonnen Kohle im Jahr. Seit 1990 wurden die meisten Tagebaue stillgelegt und geflutet; drei sind noch in Betrieb. Die Niederlausitzer Bergbautour verbindet auf rund 500 Kilometern die Orte, an denen diese Geschichte sichtbar geblieben ist.

Der Weg ist ein Rundkurs zwischen Lauchhammer im Westen, Cottbus im Norden, Weißwasser im Osten und Hoyerswerda im Süden. Er überschneidet sich abschnittsweise mit dem Fürst-Pückler-Weg und der Seenland-Route, setzt aber andere Schwerpunkte: nicht Parks und Häfen, sondern Fabriken, Maschinen und Gruben.

Etappen und Stationen

EtappeAbschnittca. kmIndustriedenkmale
1Lauchhammer – Plessa – Lichterfeld45Biotürme Lauchhammer, Kraftwerk Plessa, F60
2Lichterfeld – Großräschen – Senftenberg55IBA-Terrassen, Seenkette
3Senftenberg – Welzow – Spremberg60Tagebau Welzow-Süd, Aussichtspunkte
4Spremberg – Schwarze Pumpe – Hoyerswerda45Industriepark, Neustadt Hoyerswerda
5Hoyerswerda – Boxberg – Weißwasser65Bärwalder See, Kraftwerk Boxberg, Glasmuseum
6Weißwasser – Nochten – Spremberg60Tagebau Nochten, Findlingspark
7Spremberg – Cottbus – Lauchhammer90Kraftwerk Jänschwalde (Abstecher), Rückweg

Die letzte Etappe ist lang und kann mit der Bahn zwischen Cottbus und Lauchhammer abgekürzt werden.

Die wichtigsten Stationen

Die Förderbrücke F60 bei Lichterfeld ist das Wahrzeichen des Weges. Die 502 Meter lange, rund 80 Meter hohe und 11.000 Tonnen schwere Abraumförderbrücke wurde 1991 fertiggestellt und nach nur 13 Monaten Betrieb stillgelegt. Heute ist sie als „liegender Eiffelturm der Lausitz” Besucherbergwerk mit Führungen, Aussichtsplattform und Lichtinstallation.

Das Kraftwerk Plessa ist eines der ältesten erhaltenen Braunkohlekraftwerke Europas. Es ging 1927 in Betrieb und lief bis 1992; die Maschinenhalle mit Turbinen und Schalttafeln ist als technisches Denkmal zugänglich.

Die Biotürme Lauchhammer sind 24 Türme aus Klinker, Reste einer Kokerei, die aus Braunkohle Hochtemperaturkoks gewann. Sie sind das einzige erhaltene Zeugnis dieser Technologie und heute Aussichtspunkt und Veranstaltungsort.

Der Tagebau Welzow-Süd ist der größte aktive Tagebau der Lausitz. Aussichtspunkte am Rand zeigen die Abbaukante, die Förderbrücke und die Rekultivierung auf der Kippenseite. Im Findlingspark Nochten wurden über 7.000 Findlinge, die der Tagebau freilegte, zu einem Park arrangiert.

Vom Revier zur Seenlandschaft

Zwischen Lichterfeld und Hoyerswerda führt die Bergbautour durch das Lausitzer Seenland. Hier ist die Umgestaltung abgeschlossen: Die Tagebaue Meuro, Sedlitz, Koschen, Scado und Niemtsch sind zu Seen geworden, die 2025 mit der Flutung des Sedlitzer Sees ihren Endzustand erreichten. Die IBA-Terrassen in Großräschen erklären den Prozess in einer Ausstellung; von der Terrasse aus blickt man auf den See, wo bis 1999 der Tagebau Meuro lag.

Wegequalität und Planung

Das Revier ist eben, die Wege sind überwiegend asphaltiert oder auf ehemaligen Kohlebahntrassen mit wassergebundener Decke geführt. In den Kiefernheiden um Nochten und Weißwasser gibt es sandige Abschnitte. Die Beschilderung zeigt ein stilisiertes Förderrad auf weißem Grund. Einkehrmöglichkeiten liegen in den Städten; zwischen Weißwasser und Spremberg sowie zwischen Lauchhammer und Lichterfeld sollte Verpflegung mitgeführt werden.

Lauchhammer, Senftenberg, Hoyerswerda, Weißwasser, Spremberg und Cottbus haben Bahnanschluss, sodass jede Etappe einzeln angefahren werden kann.

Was die Tour zeigt, was andere Wege auslassen

Die Seenland-Route und der Fürst-Pückler-Weg berühren die Bergbaugeschichte, die Bergbautour stellt sie ins Zentrum. Sie führt zu Orten, die Radreisende sonst nicht ansteuern: die Brikettfabrik Louise in Domsdorf, die älteste erhaltene Brikettfabrik Europas, in Betrieb von 1882 bis 1991; den Gleisbogen der ehemaligen Kohlebahn bei Lauchhammer; die abgebaggerten Dörfer, an die nur noch Gedenksteine erinnern – über 130 Orte wurden in der Lausitz dem Braunkohleabbau geopfert. Die Tour ist damit weniger eine Landschaftsreise als eine Reise durch Technik- und Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Wie man diese Landschaft liest

Die Bergbautour ist der Weg, auf dem sich das Lesen der Landschaft am besten lernen lässt, weil sie alle Stadien nebeneinanderstellt. Vier Formen kehren wieder. Kippen sind aufgeschüttete Abraumflächen, erkennbar an ihren gleichmäßigen Hügeln und der jungen, oft einheitlichen Bepflanzung mit Kiefer, Robinie und Birke. Restlöcher sind die Endpunkte der Tagebaue, heute Seen mit auffällig geraden Ufern an der Kippenseite und geschwungenen auf der Gegenseite.

Dazu kommen die Trassen: Bahndämme der Kohlebahnen, heute Radwege, und Rohrleitungen, mit denen Wasser in die Seen geleitet wird. Und schließlich die Baulücken in den Dörfern, dort, wo ein Ortsteil abgebaggert oder umgesiedelt wurde. Wer diese vier Formen unterscheidet, sieht auf der Tour nicht Natur und Industrie im Wechsel, sondern eine durchgehend gemachte Landschaft in verschiedenen Altersstufen.

Praktisches für die Tour

Die Bergbautour verläuft über weite Strecken durch offenes Gelände ohne Ortschaften. Zwischen den Stationen liegen Abschnitte von zwanzig Kilometern ohne Einkehr, Trinkwasser und Schatten; im Sommer sind Vorrat und Kopfbedeckung wichtiger als auf jedem anderen Weg der Region. Der Mobilfunkempfang ist auf den Kippenflächen lückenhaft.

Die Industriestandorte selbst haben feste Öffnungszeiten und teils Führungspflicht: Die F60 bei Lichterfeld ist nur mit Führung begehbar, die Brikettfabrik Louise, das Kraftwerk Plessa und der Energiefabrik Knappenrode haben Schließtage, meist montags. Wer die Tour plant, legt die Etappen deshalb nicht nach Kilometern, sondern nach diesen Zeiten – ein Standort, vor dem man um 17 Uhr steht, ist ein verlorener Programmpunkt. In den Wintermonaten sind mehrere Häuser geschlossen; die Saison läuft von April bis Oktober.

Häufige Fragen

Was ist das Lausitzer Revier?

Das Lausitzer Braunkohlerevier ist das zweitgrößte Braunkohlegebiet Deutschlands. Es erstreckt sich über den Südosten Brandenburgs und den Nordosten Sachsens; aktive Tagebaue sind Welzow-Süd, Nochten und Reichwalde, dazu das Kraftwerk Schwarze Pumpe und die Kraftwerke Boxberg und Jänschwalde.

Kann man die Förderbrücke F60 besteigen?

Ja. Die F60 in Lichterfeld ist als Besucherbergwerk zugänglich; Führungen führen auf die rund 80 Meter hohe Brücke. Sie ist mit 502 Metern Länge die größte bewegliche Arbeitsmaschine der Welt.

Ist die Bergbautour anspruchsvoll?

Landschaftlich nicht – das Revier ist eben. Anspruchsvoll ist die Logistik: Zwischen den Industriedenkmalen liegen lange Abschnitte durch dünn besiedeltes Gebiet mit wenigen Einkehrmöglichkeiten.

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51°31′N 14°08′E